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Nov 05

job center keine tischeVor lauter Aufregung hätte ich doch beinahe vergessen zu berichten. Über den ersten Tag bei der Agentur für Arbeit, unserem lieben Job-Center am Langenfelder Stadtrand. Wahrscheinlich weil er soviel unspektakulärer war, als es mir in bilderreichen Legenden immer überbracht wurde. Fast schon zu trivial für einen ganzen Blogeintrag. Aber gut, vielleicht trügt der Schein. War ja immerhin erst Day 1. Und eigentlich doch irgendwie eine gute Gelegenheit um hier zwei Dinge klarzustellen:

a) Die Öffnungszeiten für die, die keine Arbeit haben, sind nicht identisch mit den Arbeitszeiten derjenigen, die dort arbeiten müssen. Was an unsere liebe Nephilim geht, die im vorigen Eintrag fast schon ein wenig neidgeplagt die alltäglich mittägliche Pfortenschließung kommentierte

und b) Das Arbeitsamt ist gar nicht umgezogen. Zumindest nicht so wirklich. Man hat sich nur geteilt. Irgendwie. So erklärte es mir der Sachbearbeiter, mit dem ich heute die Freude hatte. Eigentlich sind es nämlich nur die Arbeitslosen, die sehen dürfen, wie sie ihren Weg ins abgelegene Gewerbegebiet finden können. Für die Arbeitgeber bleibt das Center weiterhin an besagter Lokation in der Innenstadt. Schätze, das nennt sich wahre Kundennähe. Wie konnte ich nur so dumm sein, zu vermuten, dass Arbeitslose besagte Kunden sind. Die haben doch gar kein Geld!

job-center parkplatzmangel

Soviel dazu. Aber dafür ist der Bunker auf der Karl-Benz-Straße schön modern und sauber… und freundlich. Sogar der Hausmeister kam während meiner insgesamt halben Stunde Wartezeit vorbei um zu fragen, ob auch allen nicht zu kalt oder zu warm sei. Und ich denke, mit einer halben Stunde bin ich da noch ganz gut weggekommen - und das, obwohl ich erst um 8:30 aufgelaufen war.
Eine freundliche Begrüßung am Empfang. Waren Sie schonmal bei uns? Nein? Ihren Ausweis bräucht ich dann einmal bitte… - Sie waren ja tatsächlich noch gar nie bei uns.
Dann hieß es Ausfüllen. Fünf Seiten Formulare zu ziemlich genau dem gleichen Kram, der auf meinem mitgebrachten Lebenslauf zu finden war. Ich war schon kurz davor, mich auf dem großen breiten, freien und vor allem sauberen Boden niederzulassen, als dieser in seiner Funktion der einzig freien Schreibunterlage von einem freiwerdenen Tisch am Internet-Terminal abgelöst wurde. Um genauer zu sein, bestand besagtes Internet-Terminal aus einem durchgehenden Tisch mit drei Arbeitsplätzen.
Die restlichen 75 Quadratmeter des Raums waren… leer. Ach, wie konnte ich die ständig besetzten vier Stühle zum Warten vergessen.

kein platz in der agentur für arbeit? Aber Stühle - wer braucht die schon! Laden doch zum Sitzen ein, und Arbeitslose sitzen doch eh den ganzen Tag nur rum.

Herr Bo*#tskn?
Ich schreckte hoch aus den Gedanken über psychologisch defensive Raumgestaltung, als ich eine in den Flur geworfene Silben-Kombination vernahm, die mit viel Phantasie und gutem Willen meinem Namen ähneln könnte. Einer sichtlich wie eine Praktikantin aussehnden Person schmetterte ich ein bemüht freundliches “Wie war der Name?!” entgegen, doch als auch ihr zweiter Versuch ungefähr so klang, wie mein Klo beim Abspülen, wenn der Abzug verstopft ist, begnügte ich mich damit, sie schlichtweg mit meiner Version der Aussprache eines Besseren zu belehren.
Englische Namen sind schon eine Herausforderung.

Die Vermutung mit der Praktikantin entpuppte sich schnell als Volltreffer, als sie sich, nachdem sie mich zu einem Kollegen geleitet hatte, in einen Stuhl neben ihn fallen ließ, um ihm über die Schulter zu schauen. Ein kurzes Hallo, kein Händeschütteln. Wer weiß schließlich, wann sich Kunde Arbeitslos das letzte Mal die Hände gewaschen hat.
Er sackte das ausgefüllte Formular von mir ein und begann in irgendwelche Masken auf seinem PC-Bildschirm zu tippern. Sie waren noch nie beim Arbeitsamt? Dann bräuchte ich einmal ihren Personalausweis… Sie waren ja wirklich noch nie hier!
Hatte ich heute vergessen, in den Spiegel zu schauen? Sah ich aus wie einer dieser Taugenichts, die sowieso keinen Job bekommen. Oder wieso glaubte mir eigentlich niemand, dass dies mein erstes Mal war?
Ich beschloss der Sache nicht weiter auf den Grund zu gehen und antwortete stattdessen auf die vielen Fragen, die der Sachbearbeiter mir nun stellte, die mir allesamt irgendwie bekannt vorkamen.
Schätze das zuvor ausgefüllte Formular diente wohl nur dazu, mir die Wartezeit zu versüßen.
Aber immerhin, der Kollege war bemüht und bedächtig und bewies mir und seiner Praktikantin wie einfach es doch ist, am Bildschirm ein paar Masken auszufüllen, noch mehr Formulare auszudrucken und ein paar neue Termine zu vergeben.
Und so war die Sache dann in schmerzlosen, knapp zwei Stunden über die Bühne.

Bleibt dran, wenn ihr wissen wollt, wie das Blinddate mit meinem Vermittler am Freitag verläuft, oder was hinter dem Gerücht steckt, dass man kein Arbeitslosengeld bekommt, wenn man sich nicht mindestens drei Monate im Voraus arbeitslos meldet!
Bis dahin : Frohes Schaffen!

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7 Kommentare zu “AgfA Tag Eins”

Hast du keine Meinung?
  1. Markus meinte:

    Wow… mal echt wieder Interessant geschrieben :) War es denn wenigstens eine hübsche Praktikantin? ;)

    Bleib auf jeden Fall am Ball. Hoffentlich läuft alles glatt für dich!

  2. XfrogX meinte:

    Du bekommst arbeitslosen geld, aber die ziehen die halt ne bestimmte summe ab wenn du dich nicht 3 monate vorher arbeitssuchend meldest.

    Dagegen kannste aber auch ein formular ausfüllen, bei mir hats geklappt weil mein chef mich nicht darüber belehrt hat das ich mich melden muss, versuchen kannste es ja. Aber selten das man nichts blecht dafür.

  3. tobe meinte:

    “ein formular”? ich habe schon 10 ausgefüllt…

    also man soll sich arbeitslos melden bevor man weiß, dass man arbeitslos sein wird?

  4. XfrogX meinte:

    nein, man muss sich arbeitsuchend melden. Das kann man immer und sollte man auch früh genug machen.

    Ach formulare bekommste da für alles. Was die an papier verbrauchen, ist schlimmer für die umwelt als die paar spritfresser auf unseren straßen.

  5. Markus meinte:

    Sorry gerade nicht themenrelevant aber bei deiner aktuellen Umfrage würde ich gerne anklicken, dass ich gerade noch dabei bin :)

  6. tobe meinte:

    @markus: habe ich hinzugefügt

    @xfrogx: gut und schön, nur hat die sache einen haken. wenn ich nicht weiß, wann ich arbeitslos sein werde, weiß ich auch nicht, wann der zeitpunkt x drei monate vorher ist, zu dem ich mich arbeitssuchend melden müsste…

  7. XfrogX meinte:

    joa, wenn du einfach so fristlos gekündigt worden bist, ist das was anderes. Aber wenn ein vertag ausläuft, oder halt schule oder so rum ist hat man ja einen termin, und wenn man 3 monate vor dem termin nichts anderes für den anschluss hat ziehen die ab.

    Ausserdem wer glaubt den noch es geht da im logik. Gibt auch genug mittel und wege die ein oder andere mark wieder dazu zu bekommen.

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