An sich ist Globalisierung eine feine Sache. Wenn es nur nicht so viele Leute gäbe, die nicht einmal wissen, wofür der Begriff eigentlich steht! Und so hat er vor allem in Deutschland ein ziemliches negatives Image bekommen, schließlich benutzen stakeshareholderorientierte Unternehmen Globalisierung nicht selten als Vorwand um deutsche Arbeitnehmer auf die Straße zu setzen, weil ein Hungerlohn hierzulande ein Geldsegen für Arbeiter im Osten darstellt. Dass der kosteneinsparende Vorteil dieser kurzsichtig getätigten “Investition”, der ja meist als Hauptargument für derart irrationale Überlegungen angeführt wird, mittel- bis langfristig aufgehoben wird, ist eigentlich unübersehbar und lässt so einige Fragen aufkommen, welche betriebswirtschaftliche aber auch volkswirtschaftliche Kompetenz heute in den Entscheiderpositionen der Führungsetagen residiert.
Aber gut, ich bin weder vielzitierter Wirtschaftsberater noch stehen irgendwelche Unternehmen bei mir Schlange, um mich nach meiner Meinung zu einer Auslandsinvestition zu fragen. Und so blieb und bleibt mir nicht anderes übrig, als die Firmen die Fehler, aus denen sie lernen können, selber machen zu lassen.
Und wie es vielen bisher so ergangen ist, berichtet nun ein sehr erheiternder Artikel auf SPIEGEL online. Hier die Killerkriterien, die deutsche Unternehmen zunehmend zurückkehren lassen:
- Qualitätsniveau der Produktion genügt nicht den deutschen Standards und Erwartungen
- Massive Logistikprobleme bei der Materialanschaffung und Produktionsauslieferung führen zu kostenintensiven Verzögerungen
- Kostenvorteil ggü. Deutschland schwindet durch rasante Angleichung des osteuropäischen Lohnkostenniveaus
- Löhne in Deutschland entwickeln sich kalkulierbarer und bisher trotz steigender Inflationsraten sehr moderat
- Der Vorsprung deutscher Arbeitsproduktivität ist weiterhin steigend und ausbaufähig
- Auslandsstandorte sind mangels lokaler Fachkompetenz weiterhin auf (teure) Fachkräfte aus Deutschland angewiesen
Wer wissen möchte, warum nicht nur jedes fünfte Unternehmen aus der Metall- und Chemiebranche zurückkehrt, sondern auch ausländische Firmen wie Rolls-Royce oder Kia zunehmend in Deutschland investieren, der liest am besten selbst: Rolle rückwärts von Janko Tietz
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01.10.2007 / 12:11h /
Interessantes Thema, keine Frage (der Artikel auf Spiegelonline kostet leider Geld). Und leider nicht mit einfachen Antworten abzuarbeiten.
Die Reaktionesspanne zwischen Shareholdervalue und langfristiger Strategie wird m.E. durch die Firmenaufkaufstrategien großer Fonds angeheizt. Ein Unternehmen, dass in seiner Branche nicht stets überdurchschnittliche Ergebnisse liefert, läuft Gefahr, dass es aufgekauft wird.
Also steht ein Manager ständig mit einem Bein im Aus. Was macht er? So schnell wie möglich gute Erfolge vorweisen. Das geht aber nicht andauernd. Also sind Manager ständig auf der Suche nach der nächsten Aufgabe, nur so können sie immer wieder Erfolge vorweisen.
Das dieses Verhalten einem Unternehmen nicht zuträglich ist, scheint leicht nachvollziehbar.
01.10.2007 / 12:35h /
hm, tatsache @kostenpflichtig
ob, die entscheidung, dass ein spiegel-online artikel kostenpflichtig wird, mit seinen zugriffszahlen in verbindung steht? ich konnte ihn jedenfalls noch vollumfänglich kostenlos abrufen…
mich würde interessieren, wieso du sagst, dass durchschnittlich oder unterdurchschnittlich wirtschaftende unternehmen in gefahr laufen, aufgekauft zu werden?
01.10.2007 / 16:54h /
Zwei Dinge laufen bei Unternehmen mit: Wie gut steht ein Unternehmen im Branchenvergleich da, und wie gut im Unternehmensvergleich. Wenn ein Unternehmen Marktführer in seiner Branche Marktführer ist, hat es gute Erträge. Seine Gesellschafter werden er vorziehen dass dieses Unternehmen unter der Führung wie bisher bleibt; eine Übernahme wird dadurch zumindest detulich behindert.
Wenn ein großer Fond/Unternehmen in eine Branche einsteigt kauft es sich eher nicht den Branchenprimus, der wäre meist zu teuer. Also dann eher den zweiten oder dritten im Ranking. Hier stehen die Chancen der Übernahme besser. Dabei wird ganz klar geprüft, vor Einstieg in eine Branche, welches weitere Unternehmen von dort auch noch gekauft werden kann. Im einfachen Beispiel: den zweiten und den dritten. Dann hat man den Zusammenschluss und steht gleich auf Platz 1. Zusätzlich hat man wahrscheinlich den Abstand zum vormaligen ersten dramatisch erhöht.
Also: der erste hat 30% Markt, der zweite hat 23% und der dritte 16%. Steige ich mit zwei und drei ein, habe ich danach 39%. Und das holt der erste nur sehr schwer auf. Es war ja anstrengend genug, erster zu werden.
Das Spiel geht oft auf.