
Mit der Zeit gewöhnt man sich als Blogger daran, dass man schonmal das ein oder andere Blog aus der Blogrolle löschen muss, weil sein Betreiber den Dienst quittiert hat. Bei den Weblogs, die den Weg in meine Blogrolle finden, geschieht das zugegebenermaßen eher selten, aber wenn es denn passiert, sind die Ursachen meist beeindruckend… oder traurig.
Gestorben ist niemand, denn Horst Schulte gibt es weiterhin, doch als ich dem Link seines letzten Kommentars auf meinem Blog folgte, musste ich feststellen: der Finger.zeig ist von uns gegangen.
Ein Blog, wie es mir von Anfang an sympathisch war, wenngleich es doch eine vergleichsweise hohe Postingfrequenz aufwies, die dazu verleitete nicht jeden der Artikel auch eingehend zu lesen. Aber es waren nicht nur die immer wieder mal entdeckten Leckerbissen prosaischer Verausgabung, die mich mit Apollon im abstrakten Sinne eines sozialen Netzwerks verbunden fühlen ließen. Es war auch der Umstand, dass Horst Schulte als engagierter Blogger mit der Feststellung zu kämpfen hatte, dass Meinungsfreiheit in Deutschland ein sehr relativer und kontextsensitiver Begriff ist. Eine Welle von Abmahnungen und einer einstweiligen Verfügung war es, die nun scheinbar den verbleibenden Funken seines bis dato beständigen Online-Engagements ausgelöscht hat.
Selbst Opfer einer missbräuchlichen Schikanierung mittels Abmahnungen und Klage, deren Ausgang noch austeht, bin ich verleitet zu sagen: Das Letzte, was ich mir in so einem Fall nehmen lassen würde, wäre meine Stimme, und sei es nur online.
Aber ich bin ich, und Apollon ist Apollon. Und so danke ich einfach für die vielen Einträge, die mich die letzten Jahre begleitet und inspiriert haben und bedaure, dass das deutsche Rechtssystem derartige Angriffe auf Privatpersonen ermöglicht, die das private Individuum zur kapitulierenden Aufgabe seiner Meinungsfreiheit treiben können.
Ältere Beiträge zum Thema:
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05.11.2007 / 08:48h /
“Von uns gegangen” klingt schon dramatisch. Aber irgendwie ist es schon so: blogger sind ein besonderer Schlag von Menschen.
Was machen wir eigentlich? Wir rufen in den Wald und denken, vielleicht hört uns ja einer. Ich für mich kann sagen, dass ich gehört (gelesen) werden möchte, warum sollte ich sonst so einen Aufwand betreiben?
Und dann stellt der Blogger fest, dass bestimmte seiner Beiträge mehr gelesen werden als andere. Und dann schreibt er noch einen Beitrag zu diesem Thema. Wieder Erfolg (!). Mit einem Male schreibt er, um gelesen zu werden und nicht mehr, um sich zu äußern. Irgendwann fühlt sich das aber komisch an. “Warum betreibe ich diesen Aufwand”, denkt er und vielleicht bemerkt er, dass er nicht mehr für sich, sondern vielmehr für Andere schreibt.
Und diese Erkenntnis macht das bloggen schal.
Und dann hört er/sie auf.
Was meinst Du?
05.11.2007 / 23:49h /
da musste ich doch glatt deinen kommentar aus dem spam filter fischen. warum auch immer. werde mir daher morgen in ruhe die zeit nehmen, zu antworten.
10.11.2007 / 12:59h /
nun doch noch eine vespätete antwort.sorry. gar nicht so einfach. bei mir ist es glaube ich eine mischung. viel meiner motivation zu bloggen kommt aus unmut. es ist eine art von ventil, meinem ärger luft zu machen wenn mir etwas nicht passt. ob das nun an meinen freunden, meinem job, einem unternehmen, der gesellschaft oder der politik ist.
ob ich einen artikel schreibe ist damit eigentlich nie wesentlich davon abhängig, wie gut besucht er ist. dennoch gehe ich natürlich auf die leser ein. lese ihre kommentare, recherchiere ggbf etwas nach, was ich in einem ersten artikel vielleicht weniger getan habe.
das ist aber eher selten.
telebid z.b. griff ich trotz mehrerer hundert kommentare auf den initialartikel lange zeit gar nicht ein weiteres mal auf. ich staunte nur über die dummheit vieler leute, die unüberlegt mitgemacht hatten und sich nun betrogen fühlten und tat meine meinung weiter in den kommentaren kund.
wäre ich nach der popularität dieses artikels gegangen, hätte cih wahrscheinlich in den letzten zwei jahren ein gigantisches telebid forum aufziehen können. doch das reizte mcih nicht, denn eigentlich war telebid mir gleichgültig. sie operierten in meinen augen (damals) völlig legal und profitierten einfach davon, dass leute gutgläubig und ohne das konzept zu verstehen, ihr geld verschenkten.
eine wendung bekam das ganze, als telebid mich persönlich attackierte und meine inhalte praktisch zensieren wollte. das führte im zuge dessen auch dazu,dass ich mir natürlich telebid genauer anschaute und so einige fragwürdige sachen aufdeckte. dann kamen die ganzen folgeartikel, die sich sowohl mit meiner auseinandersetzung wie auch mit dem telebid konzept befassten.
leider werde ich vielfach missverstanden in meiner motivation für diese ganzen einträge. ich will nicht gegen das telebidkonzept vorgehen, was sich wohl viele meiner leser bzw kommentatoren wünschen, sondern ich wehre mich nur gegen die unterdrückung meiner meinungsfreiheit, die sofina mit einer quasi zensur erwirken wollte…
ich denke, blogger wie horst schulte werden durch diese verbundenen rechtlichen risiken demotiviert. nicht jeder hält dem druck stand, wenn anwaltspost im briefkasten landet und man von summen redet die sich schnell mal im bereich der hundert tausend bewegen, weil anwälte alle möglichen tricks anwenden um möglichst viele ansprüche geltend zu machen.
wir brauchen dringend sind gesetze die speziell auf das WWW ausgerichtet sind. so lange das nicht kommt, gibt es keine faktische meinungsfreiheit sondern lediglich eine diktatur der reichsten.