
Donnerstag früh hatte ich übrigens wieder einen Termin beim Arbeitsamt. Diesmal da, wo eigentlich nur die Unternehmen hinsollen. Dementsprechend leer die Flure. Das Treppenhaus erinnerte mich ein wenig an die Toiletten auf meiner vorletzten Schule. Zwar nicht ganz so dreckig, aber genauso verraucht - mit ein paar unästetischen Graffiti-Kritzeleien an der Wand. Im ersten Stock eine Tür mit einem Zettel, der im übertragenen Sinne soviel sagte wie: Sie suchen Arbeit? Dann gehen Sie woanders hin . Ich fühlte mich nicht angesprochen, hatte ich meinen Termin ja im zweiten Stock.
Der Mitarbeiter, der auf meinem Terminzettel vermerkt war, verwies mich an die Kollegin nebenan. Ein kleines, zierliches Blondchen in ihren Vierzigern. Grummelnd beanstandete sie, dass ich mich den vor einem Monat ausgesprochenen Anweisungen ihres Kollegen nicht widersetzt hatte. Dieser hatte mich angeleitet, auf dem Antrag für Arbeitslosengeld lediglich noch meine Kontodaten einzutragen und auf der letzten Seite zu unterschreiben. Musste die Gute nun ihre kostbare Zeit opfern, um die offenen Fragen mit mir durchzugehen.
Als Student hatte ich auch ein paar Sonderformulare ausfüllen müssen. Viele der Punkte trafen nicht zu, da ich keine Präsenzvorlesungen mehr hatte bzw. ein Abend-Studium ohnehin keinen Einfluss die effektive Arbeitszeitkapazität hat. Provisorisch hatte ich dennoch das Feld für die wöchentlich zur Verfügung stehende Anzahl von Stunden zur Aufnahme einer Tätigkeit ausgefüllt.
“Ne, das kann ja hier nicht sein. Acht Stunden? Das müssen wir korrigieren…”, sagte sie und krakelt erregt über meine liegende Acht, als reichte ein einfacher Durchstrich nicht aus, um meine inkompetent erscheinende Angabe zu invalidieren.
Ich holte kurz Luft, denke an meine neue Tischdeko und erklärte ihr, dass das von mir gemalte Zeichen keine Acht darstellte, sondern das mathematische Symbol für “Unendlich”. Womit ich ausdrücken wollte, wöchentlich unbegrenzt arbeitswillig zu sein. Ob sie allerdings verstand, was ich meinte, blieb unklar, denn sie segnete mich mit einem Schweigen, während sie die verbleibenden Formulare und Bescheinigungen einsackte um nach ingesamt rund 15 Minuten Bearbeitungszeit wieder höflich von dannen zu schicken.
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