DasDaMeins Vermittler 2
Nov 10

erster termin beim jobcenterWie das so ist mit Blinddates: man weiß nie, mit wem man es zu tun hat. Kein Name, kein Gesicht. So war es heute gestern auch mit meinem Jobvermittler. Termine vereinbaren zwar Menschen, aber gemacht werden Sie von Computern. Überhaupt wird so einiges bei der Agentur für Arbeit von mehr oder minder intelligenten IT-Systemen mal mehr, mal weniger erfolgreich erledigt. Und so war ich gestern morgen gewappnet mit einem computergenerierten Schreiben, auf dem lediglich Uhrzeit und Zimmernummer standen - verpackt in einen schönen Text, der mich unter Nennung einiger Paragraphen belehrte, was alles Böses passieren könnte, wenn ich zu dem Termin nicht erscheinen würde.

Und damit ging es dann nach ein paar Minuten erbetener Wartezeit auf dem bis auf eine Person menschenleeren Flur weiter. Dies und das müsste ich tun. Das und das würde passieren, wenn ich es nicht täte. Zwischendurch löcherte ich meinen hilfsbereiten und durchaus kompetenter als erwartet erscheinenden Vermittler mit Fragen, deren Antworten mich langsam aber sicher vor allem zwei Dinge realisieren ließen:

  • Die Agentur für Arbeit war vor allem auf eines bedacht und das schien mir im Kern weniger die erfolgreiche und zufriedenstellende Vermittlung in eine passende neue Arbeitsstelle als allgemein die Reduzierung der regionalen Arbeitslosenzahl zu sein
  • Sämtliche gesetzlichen Rahmenbedingungen, die in Verbindungen mit der Arbeitslos-Meldung stehen, sowie sämtliche Vorgehensweisen der Job-Agentur würden mich in meinen Bemühungen, nach vier Jahren leidiger Ausbildung endlich eine vielversprechendere berufliche Zukunft zu beschreiten, wohl eher hindern als unterstützen

Warum ich das sage? Nun, nicht weil mein Vermittler inkompetent ist. Auch nicht, weil er mir unsympathisch ist. Ganz im Gegenteil. Ich wurde wieder einmal überrascht, wie freundlich, bemüht, kompetent, sachlich, zuvorkommend, unterstützend und hilfsbereit man mir entgegentrat. Als hätte er gewusst, dass ich noch keine dieser vielzähligen Panflete studiert hatte, die man mir beim ersten Mal aufgeladen hatte, erklärte er mir die Hintergründe für den Antrag/Bezug von Arbeitslosengeld und ging auf meine ständigen Einwürfe und Zwischenfragen ein, obwohl es die vorgesehen Stunde Beratungszeit eigentlich so nicht vorsah.
Am Ende waren es dann 80 Minuten und während ich um viele Erkentnisse reicher war, fragte mein Vermittler vorsichtshalber nocheinmal nach, dass ich mich jetzt nicht doch noch als arbeitssuchend (um-) melden würde.
Tatsächlich, wäre das vielleicht die sinnigere Entscheidung gewesen. Aber ich konnte mich es Eindrucks nicht erwehren, dass die vielen kleinen Schikanen, die der Gesetzgeber ins SGB eingebaut hatte, genau dazu dienten: Rückzug.

  • Das ist z.B. die Sperrfrist. Drei Monate bevor mein Vertrag auslief, hätte ich mich arbeitssuchend melden müssen. Diese Frist versäumt, mindert sich mein ALG-Anspruch nun um eine Woche Sperrfrist.
  • Das ist z.B. der fehlende Berufsschutz, der dazu führt, dass bei der Vermittlung keine zwingende Rücksicht auf meine Präferenzen genommen wird, sondern jegliche Arbeitsangebote vermittelt werden, die Übereinstimmungen mit meinem Bewerberprofil ergeben haben. Darf ich bald vielleicht wieder schrauben?
  • Das ist z.B. die (theoretische) Verpflichtung einen Job anzunehmen, der bis zu 20% unter dem letzten Bruttogehalt liegt. Wisst ihr noch was Azubis verdienen?
  • Das ist z.B. die Erlaubnis einen Nebenjob mit weniger als 15 Stunden zu betreiben, der jedoch mit jedem Cent über 165 Euro monatlich den ALG-Anspruch um diesen Betrag mindert. Also vorbei mit mit der Idee eines schlecht bezahlten NebenJobs so nebenbei…
  • Das sind z.B. die etlichen Formulare, die man auf Papier auszufüllen hat und die einem alle noch mindestens einmal online unter arbeitsagentur.de begegnen, wo sie in einem Workflow hinterlegt sind, der von Programmiern entwickelt wurde, die es tatsächlich geschafft haben, dass Ausfüllen am Bildschirm nervenaufreibender und zeitraubender als die Papiervariante zu gestalten

Aber so einfach würde ich ihn nicht seine Statistik beschönigen lassen. Zu stolz hatte er verkündet, dass die Arbeitsagentur seit Mai die Arbeitslosenzahl um über 50% von 1800 auf 800 senken konnte. Ein Pilotprojekt sei das hier in Langenfeld. Der einzige Ort der Region, wo die neuen Regelungen seit Hartz besonders stringent umgesetzt würden. Beruhigend zu wissen, dass ich Düsseldorf eine weniger intensive Betreuung genossen hätte.
Ich vergaß, zu fragen, was statistisch viel interessanter ist: wieviele dieser 1000 nicht mehr Arbeitslosen von der Arbeitsagentur tatsächlich erfolgreich in eine neue Stelle vermittelt wurden.
Stattdessen entgegnete ich auf seine Nachfrage einer möglich Ummeldung, dass ich die Sache einmal angefangen selbstverständlich durchziehen würde - schon allein der Erfahrung wegen…

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