A Kiss for Akismet Lieber solidarisch
Aug 21

nora jones philipshalle düsseldorfEigentlich bin ich kein Konzertfan. Andererseits: kann man das überhaupt pauschalisieren? So wusste mich im Januar schließlich auch Großmeister Dendemann mit seiner phaten Show zu begeistern. Auf die Rahmenbedinungen kommt es an. Publikum, Location, Musikrichtung - alles spielt irgendwie mit hinein, bei der Entscheidung, ob die Performance nicht nur den Tinitusfaktor sondern auch ihr Geld wert ist.
Bei dem gestrigen Konzert von Norah Jones hatte ich da allerdings weniger eine Wahl, so waren die Karten für das Event in der Philipshalle Düsseldorf ein Geschenk gewesen. Geschenk? Moment, tobe hatte doch nicht etwa kürzlich Geburtstag? Alle, die gerade hektisch und irritiert zum Hörer greifen wollen um mir noch nachträglich zu gratulieren, kann ich beruhigen: Mein Geburtstag ist noch ein paar Tage hin ;-) Und das Geschenk ein vorgezogenes. Vorgezogen, weil es sich nicht vermeiden ließ: Denn so beliebt wie tobe auch unter Celebrities ist, Norah Jones ist keine Celebrity und wartet daher mit ihrem letzten Konzert der Deutschlandtour 2007 auch nicht auf meinen Geburtstag.

Das ist zwar tragisch, aber ich bin da ausnahmsweise mal nicht nachtragend, schließlich bin ich schon langjährig begeistert von der schlichten Musik dieser jungen Künstlerin, deren Stimme nicht selten unter die Haut geht. Das ging dieses Konzert zwar diesmal nicht, dafür war es einfach ein wenig zu laut - riss aber dagegen umso mehr mit.
So schlicht wie ihre Musik gab sich die Künstlerin auf der Bühne, als sie ihre Songs zum Besten gab, während sie dabei immer auch selbst ein Instrument, meist den Flügel spielte. Wenig Interaktion mit dem Publikum, ein paar kesse Sprüche zwischendurch und wenn da nicht die sichere und kräftige Stimme gewesen wär, hätten Körperhaltung und ein fast ständig mitwippendes Bein auch als Indiz für Nervösität oder Schüchternheit verstanden werden können.
Vier Musiker mit noch mehr Musikinstrumenten unterstützten Norah bei den Tracks, die in einer erfrischende Mischung diesmal ein ungewohnt breites Spektrum an musikalischen Einflüssen abdeckten. Fans wie ich konnten sich an vielen Klassiker des Albums Come Away With Me erfreuen. Jene die mehr zu Jones’ Country-Touch neigten, wurden mit ein paar Tracks des Nachfolgers Feels Like Home bedient. Verhältnismäßig wenig Material wurde stattdessen vom aktuellen Album Not Too Late geboten, aber das, was man zu hören bekam, bestätigte nicht gerade die neutralen bis schlechten Kritiken, die die CD bis jetzt erhalten hat.
Besonders überrascht bzw beeindruckt hat mich dabei ein Song, der mir mit dem vermutetem Titel Election Day in Erinnerung geblieben ist. Tatsächlich nennt sich der nach Worten der Musikerin bereits vor drei Jahren komponierte, aber jetzt erst vertonte Song My Dear Country. Überrascht war ich, weil er sich thematisch auf einem Niveau befindet, das man von Norah mit ihren eher einfühlsamen Lullabys über Leben, Leid und Liebeleien nicht gewohnt ist: Politik.
Wenn das neue Album jedenfalls nur halb so abwechslungsreich ist, wie es der Vorgeschmack darauf in dem gestrigen Konzertkracher von Norah Jones war, dann wird es schon bald den Weg in mein Musikregal finden…

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