Am Samstag traf sich meine alte Berufsschulklasse in der Düsseldorfer Altstadt. Zumindest war es offiziell ein Klassentreffen. Gekommen sind nämlich außer mir tatsächlich nur vier Leute. Alle anderen waren entweder nicht erreichbar, hatten kein Interesse, sagten kurzfristig ab oder tauchten einfach nicht auf.
Als erstes verschlug es uns in einer der vielen Irish Pubs der Gegend. Buck Mulligan’s liegt etwas versteckt von der Bolkerstraße ab. In einer Art Keller gelegen, würde man von außen gar nicht vermuten, wie groß der Laden eigentlich ist. Atmosphärisch gefällt er mir definitiv mehr als das Pub weiter oben auf der Bolker, wo meinereins sich Donnerstags schonmal zum Karaoke trifft - Name hab ich grad nich parat.
Weniger gefällig dagegen die Getränkepreise. Wenn ich schonmal in einem Irish Pub bin, dann muss ich die Gelegenheit nutzen, ein kräftiges Guiness zu verinnerlichen. Und davon kostete ein halber Liter dort stolze 4,60 Euro! Bei solchen Umsätzen würde man meinen, dass genug Lohn für die Putzfrau abfiele, doch als ich gen stilles Örtchen wankte, um mich des unerträglich gewordenen Harndruckes zu erleichtern, lachte mir ein bedrucktes und laminiertes Stück Papier vom Türrahmen der Männertoilette entgegen, bei dem ich jetzt noch bereue, es nicht mit meiner Handycam festgehalten zu haben:
Sauberkeit und Ordnung sollten Ihnen 50 Cent wert sein! Danke
Meine nach dem Geschäft gewaschenen Hände an provisorisch bereit gestellten Papiertüchern trocknend - der Handtuch-O-Mat war defekt - schüttelte ich den Kopf über soviel Dreistigkeit, als ich eine Signatur unterhalb des Mahnspruchs entdeckte. Gezeichnet hatte das nicht etwa die draußen schon mit anderen Gästen wild diskutierende Toilettenfrau, die sich in anderen Etablissements für gewöhnlich damit begnügte, den Wasserlassern vorwurfs- oder mitleidserregend, aber immerhin still entgegenzublicken. Nein, der Pub selbst hatte seine Unterschrift unter diesen frechen Appell an die Sozialmoral gesetzt.
Immerhin ein Zeugnis dessen, wer die offenbar unterbezahlte Putzkraft hier zu einem Hungerlohn gepachtet hatte.
Sichtlich provoziert trat ich auf den Gang und war ein wenig froh, dass sie mich nicht anzusprechen wagte, denn mit ihr eine Diskussion über den Wert meiner pissoirbeschleunigten Urinierung vom Zaun zu brechen, hätte die ansonsten recht gemütliche Stimmung unserer exschulischen Zusammenkunft doch eher unnötig belastet…
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03.12.2007 / 14:15h /
Im Pub für die Toilette bezahlen? Das habe ich ja noch nie gesehen. Demnächst führen sie noch ein System ein, wie auf den Autobahn-Raststätten. 50 Cent einmal pinkeln und du bekommst einen kleinen Voucher úber die 50 Cent, den du dann wieder im Shop (oder wie im Pub-Fall in der Kneipe) einlösen kannst. *gg*
Bäh den Gutschein würde ich als Bedienung nicht anfassen, wenn mir den ein Toilettenbesucher in die Hand drücken würde. *grusel*
03.12.2007 / 15:58h /
nun offiziell darf eine gastsstätte, heißt restaurant, kneipe, pub etc kein geld für toiletten verlangen. denn so sagt ja §7 der Gaststättenverordnung: Toiletten = Aborte dürfen nicht ausnahmslos durch Münzautomaten oder ähnliche Einrichtungen versperrt oder nur gegen Entgelt zugänglich sein.
dennoch sitzt da immer irgendeine mitleidserregende figur vor der tür - Marke südländisch wirkender muttercharakter im zigeunerlook oder abgemagerter afroamerikanische lumpenträger - und hält die hand auf. was wohl an unser soziales gewissen appellieren soll.
diese symbole sind nun ja schon aussagekräftig genug, aber nun auch noch mit geschriebenen worten darauf gestoßen zu werden, dass toilettenputzen nicht gerade der bestbezahlteste job der gastronomiebranche ist, grenzt an unverschämtheit…
was nicht heißt, dass es selten ist. mein bruder berichtete mir von einem fall wo an den sogennanten kostenlosen wcs ebenso ein schild mit der sinngemäßen formulierung angebracht war: wir empfehlen ein spende von 50 Cent für die Sauberhaltung der Toilettenräume. Nun hatte mein Bruder grade nur 20 cent klein, legte besagter Toilettenwächterin selbigen betrag hin und sah sich mit wilden gestikulationen in richtung der sogenannten “empfehlung” konfrontiert…
04.12.2007 / 14:04h /
Das ist wirklich unglaublich. Ich denke in dem Moment wäre ich in dem Laden auf die Barrikaden gegangen oder würde künftig das Etablissement meiden. Allerdings nicht ohne einen Beschwerdebrief einzureichen.
Da lobe ich mir Melbournes Öffentliche Toiletten!! Immer sauber und kein Mensch hält hier die Hand auf!
Oh so etwas macht mich ja so sauer. Es ist sicherlich kein netter Job, aber seien wir mal ehrlich Putzfrauen sind nicht schlecht bezahlt! Aber dass ein Pub sich das Geld zusammen sammelt, um die Putze zu zahlen ist unverschämt! Das ist als müsse man eine Leihgebühr für den Hocker am Tresen zahlen, wenn man ihn benutzt!