Jul 25

schufa kritik freiweilligIch erinnere mich noch, wie ich vor ein paar Jahren für meine erste Kreditkarte kämpfen musste. Von Sparkasse bis Deutsche Bank, ob mit Tankrabatt oder Prämiensystem, es wehten zwar ständig Angebote per Post herein, doch die von mir versendeten Anträge wurden allesamt abgelehnt.
Bis ich dann endlich durch ein wenig Trickserei die erste in der Hand hielt. Auf die Frage, warum mir seitdem keine der danach beantragten Kreditkarten verwehrt wurde, gibt es eine einfach Antwort: die SCHUFA ist schuld.

Die sogenannte Schutzgemeinschaft Für Allgemeine Kreditsicherung ist ein privates Unternehmen, dass Geld damit verdient, in dem es eine Kartei über jeden von uns führt. Seine jährlichen Millionengewinne fährt es dabei im Wesentlichen durch die Kunden ein, darunter auch jene Unternehmen, mit denen wir als Verbraucher gerne Geschäfte tätigen würden.
Je nach Art des Geschäfts, fragen diese Unternehmen gegen Geld dann schonmal die SCHUFA, ob diese meint, dass wir uns das auch wirklich leisten können. Das Ganze funktioniert recht gut, weil andere Unternehmen, mit denen wir bereits zu tun hatten, der SCHUFA Informationen übertragen, die sie benötigt um uns auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 1000 (gut) einzustufen.
Dazu gehört nicht nur wie wir heißen, wie alt wir sind, wo wir wohnen und wo wir vorher gewohnt haben sondern auch wieviel Euro der Kredit lautet, den wir gerade zurückzahlen, ob unser Auto vielleicht doch nicht uns gehört sondern geleast ist, bei welcher Bank wir unser GiroKonto führen, wer unsere Mobilfunkprovider ist und ob wir sonst irgendwie Dreck am stecken haben.

Verständlich, dass je nachdem, wieviele Daten der SCHUFA gerade vorliegen – in Abhängigkeit von der Art des Eintrags müssen auch Löschungen nach bestimmten Zeiträumen erfolgen – das mathematisch basierte Verfahren dabei unterschiedlich akkurat ist, wenn es darum geht, Auskunft darüber zu geben, ob wir nun auf der Nummernskala eher als geschäftsunwürdiger Sozialschmarotzer durchgehen oder doch mehr als geldlegende Wollmilchsau.
Und dreimal dürft ihr raten wo ich damals als Student und Azubi auf dieser Skala gelandet bin!

Irgendwie einleuchtend, dass solange ich nicht zumindest schon einen Eintrag über eine bereits erhaltene Kreditkarte vorzuweisen hätte, keine Bank sich traute, da die Erste zu sein.
Das ist zwar ein dämlicher Teufelskreis aber so kann man wenigstens behaupten, er wäre nur dadurch zustande gekommen, dass die SCHUFA schlichtweg nicht wusste, dass ich, der Azubi in der Pharmabranche nicht nur überdurchschnittlich viel verdiente, sondern bereits soviel Vermögen angehäuft hatte, dass ich es mir leisten konnte, mit Aktien zu spekulieren.
Könnte man meinen! Und in Erinnerung an die einst von mir eingeholte Selbstauskunft – im Wesentlichen ein leeres Blatt – hatte mich der Vorstandsvorsitzende der SCHUFA AG Rainer Neumann doch tatsächlich für einen Moment lang überzeugt, dass es eine gute Idee sei, die wirklich interessanten; Daten, die für eine akkuratere Berechnung ausschlaggebend relevanter sein könnten, freiwillig an die SCHUFA zu übertragen.
So erklärte er in einem Interview mit der WiWo wie gern er es doch hätte, wenn die Verbraucher seine Kartei noch um die noch fehlenden Angaben wie Einkommen, Vermögen und Geldanlagen ergänzten.
Doch was hier augenscheinlich als Vorteil für den Verbraucher verkauft wird, kann nach hinten losgehen. Neben der Frage, wie sicher meine Daten bei einer gewinnorientierten Gesellschaft in privater Hand, wie die SCHUFA es ist, wirklich sind, stellt sich vielmehr aus sozialkritischer Sicht weiterhin die Frage, wie sinnvoll die SCHUFA für Verbraucher überhaupt ist.
Denn der durch die Offenlegung dieser ausschlaggebenden und höchst persönlichen Verbraucherinformationen entstehende Glaubwürdigkeitsgewinn für den SCHUFA Score würde mit aller Wahrscheinlichkeit auch eine breitere Inanspruchnahme der SCHUFA-Auskunft durch entsprechende Unternehmen bewirken.
Wenn meine Geschäfte als Verbraucher aber immer mehr davon abhängig würden, ob dem Unternehmen mein mathematisch ermittelter SCHUFA-Wert gefällt, wird der Einzelne selbst sich fragen müssen, ob das in seinem Sinne ist.

Eine Diskriminierung bestimmter Verbraucher infolge eines niedrigen SCHUFA-Scores, bedingt durch z.B. schlechte Einkommensverhältnisse oder eine Bevorteilung monetär Bessergestellter würden entsprechende Unternehmen natürlich dementieren, die verlockende Möglichkeit allein würde dagegen mehr denn je nicht mehr von der Hand zu weisen sein.

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3 Kommentare zu “SCHUFA will mehr”

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  1. Schufa Kostenlos! meinte:

    Die Schufa-eigenauskunft soll endlich kostenlos werden, die kasieren zurzeit etwas über 7 EUR, wenn man ausrechnet wie viele Anfragen täglich kommen.. + die schufa-partner zahlen auch Geld für die Auskunft.

  2. Tom meinte:

    Die Selbstauskunft ist kostenlos, sofern sie nicht schriftlich erfolgt.
    Die Schufa-Partner zahlen selbstverständlich. Das ist schließlich das Geschäftsmodell…

  3. Mario meinte:

    Um die Selbstauskunft kostenlos zu erhalten, muss man sich schon in eine der Schufa Geschäftsstellen begeben. Und so viele gibt es davon leider nicht -> https://www.meineschufa.de/index.php?site=13_2

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