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Aug 06

chemobil flatrateAchja, was ist nicht alles social geworden, seit es das tolle, neue, schön schillerne Web 2.0 gibt?! Social Network, Social Commerce, Social Software, Social Advertising, Social Shopping; es scheint, als statte jeder hippe Startup-Webunternehmer sein Konzept mit dem Präfix Social aus, sobald es a) einen Register/Login-Button bereitstellt und b) Teilnehmer sich für ein und dieselbe Sache registrieren.
Früher nannte man diese Teilnehmer einfach nur Kunden - heute bilden diese selbstredend eine Community. Demnach würde zwar eigentlich jede Homepage, die irgendeinen Dienst bereitstellte, die von einer interessenhomogenen Besuchermasse benutzt und ggbf. finanziert würde, zum Social-Provider werden. Klingt eben einfach netter, geselliger, sozialer (?) und, ja… natürlich auch hipper. Mit Mehrwert hat das dann allerdings weniger zu tun.

Aber eigentlich möchte ich gar nicht darauf eingehen, warum sich einige Unternehmern aber auch Blogger vielleicht nocheinmal genauer anschauen sollten, welcher Grundgedanke hinter dem Web2.0-Begriff des Social Networking steckt, bevor sie in hypenden Werbetexten damit wild um sich schmeißen.
Es drang mich nur grad danach, weil ich heute per SMS auf einen Dienst gestoßen wurde, der mit Web2.0 und Social Networking quasi soviel am Hut hat, wie Cowboys Federn, dafür aber auch gar nicht den Anspruch erhebt sondern stattdessen wirklich sozial, also sozial nach ursprünglicher Definition sein will.

Was zuerst anmutet wie ein bei seiner Namensfindung besonders kreativer Mobilfunkprovider aus der Schweiz, ist in Wahrheit an den großen Kuba-Revoluzzer Che Guevara angelehnt.
Wie sehr Che-Mobil den Mobilfunkmarkt allerdings seit seiner Gründung in 2006 bis heute revolutioniert hat, zeigt die Tatsache, dass ich bis zum heutigen Tage nicht einmal Wind von seiner Existenz bekommen habe.

So ähnlich dachte man wohl auch in der Marketing-Abteilung der telegate AG, dem Betreiber von Che-Mobil.
Und will nun offenbar mit einer (aktuell noch versteckten) Sonderaktion gehörig auf sich aufmerksam machen.
In der Tat sind die Konditionen, die zwischen dem 06.08. und dem 31.12.2007 angeboten werden, hier auf den ersten Blick so verlockend, dass selbst jene, die sich nicht für die ursprünglich groß beworbenenen Vorteile des günstigen Telefonierens vom und aus dem Ausland durch Call-Back-Technik interessieren, hellhörig werden dürften. Geworben wird mit:

  • 0 Euro Fixkosten (keine GG + kein Mu)
  • fixe Minutenpreise von 16 cent/min in alle Netze
  • vertelefonierte Minuten (ins eigene E-Plusnetz + Festnetz) des aktuellen Monats ergeben Freiminuten des nächsten Monats

Also erst einmal wie ein heutzutage normaler und üblicher Prepaidvertrag (einmalig 25 Euro incl. 5 Euro Guthaben), dafür aber schon mit einem günstigen Rund-um-die-Uhr-Tarif.
Für Gespräche ins E-Plus- und das Festnetz kostet das Ganze effektiv nur für die Minuten etwas, die man im Vergleich zum Vormonat jeweils mehr telefoniert. Mit Ausnahme des ersten Monats natürlich, da dieser keinen zugrundelegbaren Vormonat besitzt.
Umso mehr lohnt sich das Angebot für konstante Vieltelefonierer, die pro Monat in etwa das gleiche Minutenkontingent vertelefonieren und effektiv für die gesamte Vertraglaufzeit quasi umsonst telefonieren.
Vorausgesetzt es handelt sich um Festnetz- und E-Plus-Gespräche. Und genau damit, wenn nicht schon Dank undankbarer 60/60-Taktung, verliert das Angebot immens an Attraktivität.

Bei allem Wohlwollen bleibt es nicht mehr als ein netter Ansatz, Unterschiede in Tarifstrukturen mittels Quersubventionierung über fixe Minutenpreise realisieren zu wollen. Der gemeine Vieltelefonierierer dagegen möchte sich ebensowenig auf bestimmte Netze festlegen wie der mobile Gelegenheitstelefonierer. Wer vom Handy telefoniert, ruft für gewöhnlich andere Handys von Freunden an, die nicht alle ein Vetragsdasein in einer E-Plus-Sekte feiern.

Dass wir bis heute in Deutschland weder eine Handy-Flatrate für alle Netze noch anständige Alternativ-Konzepte in diese Richtung besitzen, zeigt nur einmal mehr: Mobilfunkprovider sind weiterhin zu beschäftigt mit Geldverdienen, als dass sie sich mal überlegen, was ihre Kunden wirklich wollen.

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