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Jul 19

19-7…um Blogger zu werden.
Genau drei Jahre ist es her, da eröffnete ich unter tobe.blogg.de etwas, das die Welt verändern sollte: Mein erstes Weblog.

Damals wusste ich nicht einmal, was da genau hintersteckte - angeregt durch einen Radiobeitrag auf WDR5 startete das Ganze mehr wie ein Experiment als irgendetwas anderes. Fest stand nur: Der Typus Mensch, der seine Seelsorgen in ein Tagebuch heult, ob nun on- oder offline, war ich nicht.

Wie jedes Bloggerkind heute aber weiß, KANN ein Blog zwar ein Tagebuch sein - es kann aber auch weit mehr sein. Neugierig machte mich ursprünglich vor allem das mögliche Potenzial für den Bereich der Suchmaschinenoptimierung. Und so begann ich 2004 mein Bloggerdasein mit bescheidenen sieben Einträgen pro Monat, in denen ich meine Webseiten und Webprojekte vorstellte, aber auch ab und an ein paar tagebuchähnliche Artikel schrieb.
Als dann mit der Zeit immer mehr Google-Besucher zu meinen geistigen Ergüssen fanden, wurde eine andere Art von Ehrgeiz in mir wach.

Fasziniert von dem Phänomen, dass einige meiner Texte Spizenpositionen bei Google erzielten, eröffnete sich mir ein ganz neues Potenzial. Was, wenn es mir gelänge, Einfluss zu nehmen? Wenn ich die dumme kleine Welt dort draußen teilhaben lassen konnte, an den wirren Gedanken des verhinderten Genies in mir.
Auf einmal wandelte sich mein Blog von einem rein technischen Instrument zu einem Transportmedium der Ideologie.
Ich schrieb nieder, was mich persönlich bewegte, belustigte, irritierte und verärgerte. Ich kritisierte, relativierte, provozierte, mockierte und offenbarte. Und ich tauchte tiefer ein in die Blogosphäre, diese verrückte Parallelwelt aller Blogger, die mit ihrer neuen Form der Vernetzung gänzlich andere Formen des Informationsflusses ermöglichte.

Ja und dann konnte man irgendwann yiggen, diggen, feeden und trackbacken. Zu einer Zeit, wo ich bereits durchschnittlich einen Artikel pro Tag veröffentlichte, fing es plötzlich so richtig um diesen ganzen Web 2.0 Kram zu hypen an. Soziales Netzwerken nannte man das auch und ich muss zugeben, dass ich mich nie sonderlich darum scherte.
Einer von vielen Indikatoren dafür, dass ich mich seit je her durch genau jene Verhaltensweisen charakterisierte, die laut Dirk Olbertz kürzlich veröffentlichem Blogging-Guide den authentischen Blogger ausmachen. Ich schrieb für mich, weil es Spaß machte und den Intellekt forderte.

Aber auch wirklich gänzlich unbeirrt der äußeren Einflüsse? Nein, ganz sicher nicht. Jedes Blog lebt von seinen Besuchern. Denn macht es nur halb soviel Spaß, wenn man sich nicht sicher sein kann, dass man auch gelesen wird. Die etlichen Blogleichen sprechen Bände.
Wieviele Blogger gibt es da draußen, die sich mit Elan daran machen, ein Weblog zu führen und dann enttäuscht über die mageren Besucherzahlen in resignative Passivität verfallen?! Nicht umsonst hatte der Indexdienst Technorati unter seiner Angabe, wieviele Huntertausende Blogs er indiziert, langezeit den Zusatz “einige müssen einfach gut sein” (some of them have to be good) platziert.

Aber zurück zu den Besuchern, deren Anzahl ja durchaus als Maß genommen werden kann, für die Qualität eines Weblogs.
Man liegt nicht verkehrt mit der Annahme, dass ein gutes Blog sich von alleine herumspricht und über die Zeit ein gesundes Besucheraufkommen generiert.
Ganz so einfach scheint es dann doch nicht zu sein.

Besucher, das sei an dieser Stelle kurz erklärt, unterteilen sich für gewöhnlich grob in drei Typen:
1. direkte Zugriffe
2. Zugriffe über Suchmaschinen
3. Zugriffe über Verweise.

Der Besucherstrom, der mir vor allem im Anfangsstadium meiner Bloggertätigkeit einen angenehmen Motivationsschub bescherte, waren fast ausschließlich die Suchmaschinenbesucher (laut Google Analytics: >70%).

Nun ist das an sich ja ganz toll nur haben Besucher, die in einer Suchmaschine nach etwas gesucht haben, ein paar nicht gerade vorteilhaften Eigenschaften.
Sie surfen gerade nicht nur so aus Spaß an der Freud herum sondern mit einem konkreten Ziel. Haben sie gefunden, was sie suchen, erlischt ihr Interesse.
Zu wertvolleren Stammbesuchern werden sie in der Regel nicht, da egal ob sie bei mir nun finden, was sie suchen, oder nicht, sie werden in den allermeisten Fällen das Browserfenster wieder schließen und die Seite wieder vergessen.
Dadurch erklärt sich auch die verhältnismäßige geringe Kommentarquote auf tobe.blogg.de.
Sieht man von ein paar Ausnahmen ab, entstehen Stammbesucher – also diejenigen, die mein Blog direkt aufrufen - nämlich ausschließlich aus der Blogosphäre selbst heraus. Menschen, die ein Verständnis davon haben, was ein Blog überhaupt ist und die mehr als Browser denn als Sucher unterwegs sind.

Und möchte man diese für sich und sein Blog gewinnen, kommt man nicht nur um ein wenig Social Networking nicht herum, sondern auch nicht um eine aus Web 2.0 Gesichtspunkten spannendere Seite.
Meine stets auf textbetonende Simplizität ausgelegte Blogg-Seite allerdings als spannend zu bezeichnen würde den Begriff „spannend“ dann schon arg überdehnen und so zog ich nach drei Jahren des Bloggens auf einem Fremdhoster mit extrem eingeschränkten Modifzierungsmöglichkeiten das längst überfällige Fazit:
Zeit für einen Wechsel!

Und da sind wir nun heute. Umgezogen bin ich nun auf meine eigene Domain und setze nun unter gleichem Namen und in gleicher Manier mein Unwesen auf neuer Blogengine fort. Für Wordpress habe ich mich nicht zuletzt wegen seines hohen Grads an Konfigurierbarkeit entschieden, die zusammen mit der unüberschaubaren Masse bereits existierender Erweiterungen, der beliebten Plugins, meine Anforderung an ein extrem einfach zu verwaltendes und zu wartendes Mini-CMS erfüllt.
In wochenlanger Vorbereitung wurden Plugins getestet und das passende Theme gesucht, wurde Skripte gehackt und Templates übersetzt. Alles, um heute am 19.07. mit neuer Oberfläche und neuen Features live gehen zu können.
Aber die insgesamt mehr als 30 Plugins sollen nicht nur dafür sorgen, dass ich es mit dem Bloggen einfacher habe, sondern vor allem auch, dass die Besucher sich beim Navigieren, Lesen und Kommentieren auf dem neuen Blog noch wohler fühlen.

Welcome to Tobe’s new world…

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6 Kommentare zu “Von einem der auszog…”

Hast du keine Meinung?
  1. Katrin meinte:

    Respekt!!!!!!! Neue Blog-Seite ist gut geworden !!!! Nette Rede ;) Neue Seite, neue Textlänge ;) Ab jetzt werden deine Fans noch mehr zu lesen haben !!!!

  2. Klaus meinte:

    “Transportmittel der Ideologie” === ?
    Da meintest Du doch eher freie Meinungsäußerung; Ideologie sind doch die vorgeschriebenen “Meinungen”, die Demkvorschriften, “-ismen”, folgen.

    Die Word-Press Modifikation gefällt mir - da ist viel drain & dran, aber es ist auch nicht überladen. Glückwunsch!

  3. tobe meinte:

    @katrin: oha direkt am anfang soviel lob - wenn ich dich nicht kennen würde, würde ich sagen: schleimerin :-p

    @klaus: mit vorschreiben hat ideologie weniger zu tun. bedeutet eher eine ganz bestimmte weltanschauung , in diesem fall meine… mit wordpress habe ich gerade noch spaß, einige der widgets sind nicht so sauber programmiert, wie es zuerst den anschein machte…

  4. Docster meinte:

    DAS nenne ich doch mal eine geschmeidige Seite. Hier fühlt man sich sehr wohl. Prädikat: Äußerst gelungen – Chapeau!

    Übrigens muss auch ich gestehen, in Sachen “Web 2.0″ eher ein Spätzünder, bzw. sogar Ignorant zu sein. Aber irgendwann kommt man nicht mehr drumrum und so entdecke ich gerade erst die ganzen bunten und teilweise gar wundervollen Möglichkeiten.

    Für einen Umzug jedoch reichen die Kenntnisse noch nicht; da werde ich wohl eine Version überspringen und auf “Web 3.0″ warten, in dem dann das “Geschmeidige Gedankengut” direkt vom Hirn über die Brain-to-Blog-Schnittstelle gefüttert wird.

    Der langen Rede kurzer Sinn: Weiterhin viel Erfolg! ;-)

  5. SyrelSnyr meinte:

    Tjaaa, Digger, dann mal viel Erfolg in Deinem neuen Universum! :)

  6. tobe meinte:

    @docster: danke für die blumen. das mit den kenntnissen wird maßlos überbewertet. ein wordpress blog einzurichten ist einfacher als windows installieren ;-)

    @syrel: danke. blogroll iss schon aktualisiert wie ich sehe… so gehört sich das!

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