Jan 09

stampit gibt adressen weiter?Wer sich für seine Mailboxnutzung und Emailadressenverteilung kein intelligentes System hat einfallen lassen, der wird sich selbst bei wenig intensiver Nutzung elektronischer Nachrichtenkommunikation binnen kurzer Zeit mit unerklärlichen Mengen unerwünschter eMailwerbung (Spam ) konfrontiert sehen. Doch je mehr man für seinen Mailverkehr auf ein und diesselbe Adresse zurückgreift, desto schwieriger wird es irgendwann zu differenzieren, welche Werbung überhaupt Spam ist und welche nicht.
Das zeigt auch eine aktuelle Netz-Diskussion zum Thema Werbung von der Marketing-Agentur Addatis Ltd., mit deren Anwalt ich bereits dank eines Blogeintrags von mir Bekanntschaft machen durfte. Mehrere Blogger zweifeln an der Legitimität eines Newsletter , den sie in letzter Zeit vermehrt von der Domain adhype.de erhalten und den sie als höchst belästigend empfinden.

Doch vielmals ist einem gar nicht bewusst, dass man sich bei der Eintragung zu irgendwelchen, vor allem Gratis-Diensten im Netz auch automatisch damit einverstanden erklärt, dass die eigenen Daten inkl. der Emailadresse zu Werbezwecken weiter gegeben werden.
Ein Beispiel für einen solchen Dienst ist das mit großem Tam-Tam beworbene Gewinnspiel “Win-A-Cabrio”, das unter gleichnamiger Domain von der adRom Holding AG angeboten wird. In den Teilnahmebedingungen des Projekts aus dem Steuerparadies Liechtenstein heißt es unter anderem:

Ihre bei der Anmeldung gemachten Angaben werden in einer Datenbank gesammelt und dazu verwendet, die Empfänger festzustellen… adRom.net ist dazu berechtigt, die von Ihnen übermittelten Angaben dazu zu verwenden, Ihnen Angebote, Warenproben, Gutscheine und Informationen zu Produkten und Dienstleistungen zu übermitteln… Dem Teilnehmer können nach Ablauf der Aktion Nachrichten übermittelt werden, sofern der Empfänger der Nachricht sein Einverständnis für das Empfangen von Nachrichten gegeben hat und ihm in jeder Nachricht die Möglichkeit gegeben wird, weitere Nachrichten zu untersagen. (z.B. durch eine Antwortmail oder einen Link). adRom.net, die angeschlossenen Firmen und Subunternehmer sind berechtigt, persönliche Angaben der Teilnehmer zu oben genannten Zwecken zu verwenden.

und weiter unten in der Datenschutzerklärung:
Diese [sämtlichen Daten] werden nur an Sponsoren und adRom weitergereicht, die Interesse haben, den Teilnehmern Informationen zukommen zu lassen. Alle Teilnehmer der Aktion erhalten den regelmäßigen Newsletter der ausgewiesenen Sponsoren, welchen Sie jederzeit direkt in den jeweiligen Newslettern abbestellen können.

Zugutehalten muss man dem Projekt an dieser Stelle immerhin seine Bemühungen zu mehr Transparenz. So werden besagte Sponsoren auf einer eigenen Seite auch explizit gelistet, die größten von ihnen sogar als Logo auf der Hauptseite abgebildet.

Tobe machte den Test und meldete sich Ende Juni bei Win-A-Cabrio an. Natürlich in erster Linie um den brandneuen Opel GT einzusacken, aber nebenbei auch um zu schauen, welche Sponsoren mich denn in der Zeit danach tatsächlich mit erwünschter Werbung beglücken würden… Hier ist nun nach rund sechs Monaten eine erste Zwischenbilanz.

Anhand einer extra eingerichteten Mailweiterleitung ließ sich ermitteln, welche Adrom-Partner bis jetzt ihr Recht auf Newsletterversand wahrgenommen hatten. Und das sind die folgenden Anbieter/Firmen (Anzahl erhaltener eMails in Klammern):

  • Ab in den Urlaub / Aidu (27)
  • preise-vergleichen (2)
  • geld.de (25)
  • Meinungswelt (1)
  • Neckermann (44)
  • Plus (19)
  • Preisvergleich.de (54)
  • Quelle (42)
  • Reisemagazin (2)
  • Resoba (9)
  • Schwab (39)
  • Urlaubstours (15)

Das sind insgesamt 279 Werbemails in knapp 190 Tagen, also jeden zweiten Tag knappe drei Mails. Soweit nichts Ungewöhnliches. Außer dass der ein oder andere diese hohe Anzahl von Mails allein schon als belästigend empfinden mag.
Dann schaute ich mir die Liste der sogenannten Sponsoren noch einmal an um sie mit den tatsächlich erhaltenen Emails abzugleichen und entdeckte ein paar kleine Diskrepanzen. Nach trivialer Recherche von dem, was bei erstem Hinschauen wie ein konsequentes Abweichen von der Sponsorenliste aussah, ergaben sich immerhin noch drei Versender von Werbung, die auf keinen Sponsor in der ursprünglichen Liste der Teilnahmebedingungen zurückzuführen waren:

  • meinungswelt.com, SSI B.V. aus Holland
  • preise-vergeichen.de, Cordex AG aus der Schweiz
  • reisemagazin.com, i-magazine AG aus der Schweiz

Im Rahmen dieser Recherche enttarnte sich, dass hinter Emails offensichtlich verschiedener Absender auch schonmal ein und dieselbe Firma steckt.
Prominentes Beispiel: der Sponsor Unister GmbH aus Leipzig, der sich mit dem Cabrio-Gewinnspiel gleich die Lizenz zum Mailversand für seine Domains geld.de, preisvergleich.de, urlaubstours.com und ab-in-den-urlaub.de geholt hat.
Summiert man die von diesen Absendern erhaltenen Werbemails, kommt man auf die stattliche Zahl von 121 Stück. Aussagekräftig wird diese absolute Zahl jedoch erst, wenn man sich dabei vor Augen führt, dass Unister lediglich einen von 41 (!) Sponsoren repräsentiert.

Selbst wenn wir annehmen, dass sich hinter den drei nicht abgleichbaren Mailversendern (siehe oben) dennoch Sponsoren aus der Liste versteckten, würde man sich die Frage stellen müssen:
Wenn man jetzt schon 1,4 Mails pro Tag bekommt, bisher aber nur 12 der 41 Anbieter von ihrem Recht auf Werbezusendung Gebrauch gemacht haben, wieviel mehr Mails darf man in nächster Zukunft noch erwarten?!

Da hinterlässt der animierte Heuchler-Hampelmann auf der Win-A-Cabrio Seite, der einem einredet, es koste einen ja nichts , schon einen ganz anderen Eindruck…

Selbst wenn mir der Schutz meiner persönlichen Daten so egal wäre, wie Politikern das bundesweite Lohnniveau: Zeit ist auch Geld – und wieviel Zeit braucht man wohl um sich aus allen Newslettern wieder manuell auszutragen?

Hört der Spaß wirklich auf, wenn ich eine einzige Mail an info@win-a-cabrio.de schicke?
Wie zuverlässig Abmeldemechanismen sogenannter Emailmarketer in Einzelfall funktionieren, hat schließlich mein Austragungsversuch im Fall Adhype gezeigt.

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19 Kommentare zu “Spam oder nicht?”

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  1. Markus meinte:

    Wow! Toller, sehr ausführlicher Artikel. Sogar richtig mit aufwendiger Recherche und super Linksammlung zum Thema Adhype!

    Auf die Idee bin ich ja noch mal gar nicht gekommen extra eine E-Mail Adresse zu erstellen nur um zu sehen wie viel Spam nachher ankommt.

  2. Fudge meinte:

    Nicht schlecht Herr Tobe. Wirklich interessant. Doch lese ich da wirklich zwischen den Zeilen heraus, dass sich hinter dem harmlosen Namen Tobe, ein ganz großer Geek verbirgt? *tiefduck* *lach*

  3. tobe meinte:

    *g* oder vielleicht einfach nur ein internetbewandter wirtschaftsinformatiker, der in der arbeitslosigkeit etwas mehr zeit an der hand hat als sonst ;-)

  4. wabe meinte:

    Es ist manchmal nicht so leicht, Spam von wichtigen Mails zu unterscheiden. Letzthin hat mir ein unbekannter Mitarbeiter eines Geschäftspartners gemailt und ich habe das Mail als Spam gelöscht, erst beim 3. Mail bin ich stutzig geworden und hab mir das Mail mal betrachtet.

  5. Mia meinte:

    ich habe heute einen anruf von einem peter lange, axel springer medienverlag hamburg erhalten, da ich im november wohl dieses spam-gewinnspiel mitgemacht hab (schätze morgens um 4 bei 2,7 promille noch emails gecheckt).
    jedenfalls gehöre ich angeblich zu 70 leuten, die aus 3.015.000 ausgewählt wurden und in die endrunde gekommen sind. 35 von diesen 70 gewinnen ende dezember 08 bei einer großen gala in hamburg, zu der ich in den nächsten tagen eingeladen werde, inkl. reise- und übernachtungskostenerstattung, entweder ihr wunschcabrio oder 35.000 kracher cash.

    muhahahaha. als kleines schmankerl wollte man mir dann ein probeabo einer zeitschrift andrehen, was ich natürlich sofort abgelehnt habe.

    die einzige frage, neben einem datenabgleich von adresse und geburtsdatum, die mir noch gestellt wurde, war: haben sie einen führerschein…..

    muhahahahaha

    HAMMER

  6. tobe meinte:

    @mia: verdammt, du hast doch nich etwa die einladung zu dieser grandiosen gala abgelehnt ;-)

  7. mia meinte:

    tobe, wenn die einadung in meinem briefkasten liegt, erfährst du mehr….

  8. nasowas meinte:

    hihi, bei der registrierung muss ich hier sogar auch meine email adresse angeben…
    naja, zum glück gibt es ja spass adressen die lostenlos sind. zb. gmx und web.de oder hotmail oder freenet oder oder oder…

    da macht es sinn. wenn jemand natürlich blöde “hineinstolpert” und die teilnahmebedingungen nicht liest (bei adrom liegen sie ja offen neben der regestrierung – wow -ist sicher nicht immer so) dann kann es sein dass ich bestraft werde. aber so ist nun unser leben…. gerstern als ich fernsehen gesehen habe kamen dutzende wenn nicht sogar hunderte werbesports. und dass an einem tag….hmmm wie kann ich diese abschalten…oder die radiowerbung oder die zeitungswerbung….

    bei email bekomme ich wenigstens einen abmeldelink. sollte der nicht funktionieren gibt es ein impressum wo ich mich beschweren könnte (ist ja unsere zweitliebste eigenschaft) und wenn dies nicht vorhanden ist, dann lenke ich den absende in meinen spamverdachtsordner.

    es gibt leute die können websiten einrichten und blogs schreiben, sind aber nicht in der lage ihre elektronische post zu delegieren. aber es ist auch nicht einfach. email gibt es erst seit gut 10 jahren für “jedermann/frau”

    ein etwas kritischer blog leser

  9. olle09 meinte:

    ich finde email werbung immer noch besser al was im briefkasten landet. da muss ich immer diese blöden papierberge entsorgen. beim email klicke ich es weg, trage mich aus oder blocke es einfach.

    schliesslich nervt mich im internet die bannerwerbung auf web.de und yahoo…

    kürzlich kam ein email mit einer kostenlosen aktion für ein t-shirt. ich habe spasseshalber mitgemacht und siehe da – es war wirklich kostenlos!

    somit kann ich mich nicht hinreissen lassen das email werbung grundsätzlich schlecht ist. ausser die nervigen viagara geschichten…

  10. d.cenko meinte:

    habe nur ärger mit denen, denn Sie akzeptieren nicht, dass ich mich aus deren Emailverteiler abmelde :) Kaum habe ich eine Adresse von denen abgemeldet, bekomme ich Emails von einer anderen Adresse von denen. Also es nimmt kein Ende, egal was man macht. Es bleibt nur noch, dass ich mein Email konto lösche und allen Kontakte eine neue mitteilen muss, was für mich neben Zeitaufwand auch ein enormen wirtschaftlichen Schaden darstellt. Rechtliche Schritte sind nun die letzte Alternative, die mir bleibt :( Lieber ein wenig Papier im Briefkasten, den ich wegschmeissen kann und Sekunde vergesse, als ein lebenlang von denen mit Werbemails zugebommt zu werden. Sehr Ärgerlich. erfahrungsbericht wird veröffentlich, nachdem der bevorstehende Rechtstreit beendet ist. Soweit meine Erfahrung mit denen. :(

  11. uli meinte:

    wurde dieser cabrio nun verlost?

  12. leo meinte:

    Unister ist Suchpartner von Google und verdient damit viel Geld.
    Es ist zwar ein Verstoss gegen die Richtlinien von Google aber bein manchen drücken die die Augen zu. Hauptsache Geld kommt rein.
    Bei Manchen Google Kunden ist der Anteil von klicks teilweise bir %70 von Unister. Und die sind in der Lage mehr impressionen zu produizieren als Google selber.

  13. willo meinte:

    Unister operiert da meiner Meinung nach nicht nur im zulässigen Bereich. Ich habe extra einmal eine Email-Adresse eingerichtet, die für keine Anmeldungen irgendwo genutzt wurde. Und heute an diese Adresse eine Spammail von Unister bekommen. Die müssen die wohl irgendwo aus einer Webseite ausgelesen haben…

  14. Insider meinte:

    Unister hostet diverse Domains, die Daten daraus werden verkauft oder zugespamt. Eine Emaileintragung genügt dazu. Abmeldungswünsche werden nur bei hartnäckigen Kunden bearbeitet. Zusätzlich betreibt Unister mit: http://www.portalservice.de ein eigenes Callcenter. Daraus werden alle “Kunden” dieser Seiten:

    http://www.unister-gmbh.de
    http://www.unister-media.de
    http://www.ab-in-den-urlaub.de
    http://www.preisvergleich.de
    http://www.best-price.com
    http://www.auto.de
    http://www.auvito.de
    http://www.reisen.de
    http://www.fluege.de
    http://www.geld.de
    http://www.kredit.de
    http://www.private-krankenversicherung.de
    http://www.versicherungen.de
    http://www.superdsl.de
    http://www.hotelreservierung.de
    http://www.news.de
    http://www.börsennews.de

    über Dialer penetrant angerufen. Strom,DSL, Versicherungen und Kredite werden angeboten. Newsletteranmeldung reicht als Anrufgrund. Absolut unseriös der Laden, verdient aber Millionen mit dem Datenhandel.

  15. schwager meinte:

    mich kotzt auch die scheiss werbung von ab in den U…. an.Einmal gebucht bei denen und der Spass hört nicht auf.10 mal hab ich auf den link die Abmeldung gesendet und immer wieder kommt Anja Stern…..Mädel ich hasse dich ganz einfach nur noch

  16. Peter meinte:

    hallo,
    ich mag auch keine Werbung. Egal wann man in sein Postfach schaut sieht man nur Werbung… Werbung und nichts als Werbung. Zum Glück gibt es einen Spamschutz. Doch viele sind aber auch selbst Schuld wenn Sie eine Firmenwebsite und die darauf Email verknüpft haben. Dies sollte man nicht tun. LG. Peter

  17. Jesko meinte:

    Ich hab kein Problem mit Werbung, nur bin ich sicher nicht so dumm mich bei einem Gewinnspiel zu registrieren…. alle anderen die meinen mir unerlaubt Werbung zu zusenden, und meinen Wunsch auf austragen ignorieren, bekommen eins auf die Mütze

  18. juko meinte:

    Ich möchte den Beitrag von Insider wie folgt ergänzen:
    Die Unister-Gruppe hat ihren Sitz in Leipzig, Barfußgäßchen 11. Schräg gegenüber vom berühmten Coffe Baum. Wer gerade dort unterwegs ist, dem kann ich einen Besuch in den Büroräumen der Unister-Gruppe nur empfehlen. Die Haustür ist meist nur angelehnt, ansonsten bei Unister Gruppe klingeln.

  19. tobe meinte:

    @juko: ich bin mir sicher, das wollten hier einige immer schon wissen

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