Jan 04

was kann man gegen telebid tunDu schreibst mich an und lobst mich für mein Engagement als Blogger, mit größtem Interesse, Dankbarkeit und Bewunderung. Du erwähnst fast nebenbei, dass auch du dich telebid-geschädigt fühlst und du berichtest mir von deiner Machtlosigkeit, die du nicht wenig als Resultat deines monetären Mangelzustands aufgrund von anhaltender Arbeitslosigkeit empfindest.
Ich reagiere einfühlsam aber nicht mitleidig, genauso wie ich es mir von anderen wünschen würde, wenn ich mich in deiner Situation als ALGII-Empfänger befände. Und du braust auf, um mich als unsensitiven Kleingeist ohne Klasse und Benimm zu denunzieren? Worauf bist du hinaus, wenn Du von deinen Mitmenschen im sozialen System mehr Respekt und Solidarität für deine Leistungen forderst, aber zugleich soziale Verantwortung abweist, in dem du den monetären egozentrischen Nutzen einer, dem Interesse der Allgemeinheit dienenden kostenlosen und anonymen Strafanzeige hinterfragst?

Wie darf ich deine Motivation verstehen, wenn du mir in meiner Tätigkeit schmeichelst um mir die öffentlich gebloggte Erläuterung des wahren Lebens eines Hartz4-Asis nahelegst ohne mein diesbezügliches Angebot später auch nur eines weiteren Wortes zu würdigen?
Wolltest du Mitleid? Schwelgst du etwa noch nicht genug selbst darin? Wolltest du bedingungslose Solidarität als bereuender Telebid-Teilnehmer, weil du dachtest uns würde aufgrund meiner Geschichte etwas Unabstreitbares miteinander verbinden?
Dann muss ich dich enttäuschen: Denn nicht nur, bin ich eine gute Stange jünger als Du, hab keine Ahnung vom Leben und erst recht nicht wie unvereinbar H4 mit dem Grundgesetz ist und finde das Thema ja überhaupt total uncool, sondern auch war ich von Anfang an nie so blöd (oder verzweifelt?) wie Du, überhaupt erst auf Telebid hereinzufallen um mich später im Frust über die eigene Dummheit zu suhlen ohne dabei auch nur eine Minute zu überlegen, welche progressiven Möglichkeiten es gibt, aus der gefühlten Machtlosigkeit der eigenen Erfahrung doch noch herauszubrechen.

Von mir bekommst du kein Mitleid.
Und zwar nicht, weil ich keins hätte, sondern weil ich meine, dass ich dir damit am wenigsten weitergeholfen hätte. Und von einer akademisch gebildeten Person, die auf einen fast fünzigjährigen Erfahrungsschatz zurückgreifen hätte ich ehrlich gesagt erwartet, dass sie versteht, wenn ich sie verbal nicht mit einem Lullaby in den Schlaf summe damit sie am nächsten Tag nicht von der nächstbesten Brücke springt.
Dass du aber scheinbar genau das wolltest, illustriert die Tatsache, dass du in herablassender Manier jegliche weitere Konversation mit Hinweis auf meine ausgeprägte Hybris abblockst.
Wofür ich nicht mehr als ehrliches Bedauern empfinden kann, denn ein Blog aus dem Leben und der Perspektive einer Person wie dir, wäre zweifelsohne eine einzigartige und signifikante Bereicherung für die Blogosphäre gewesen.

Aber gut, das wäre wieder Gemeinnutzen und würde ja deine Situation nicht verbessernUnd so blieb der Revoluzzer doch nicht mehr als Lampenputzer.

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