Jan 17

heuschreckenalarmIch weiß noch, wie ich vor etwa einem Jahr überlegte, Aktien zu kaufen. Nokia-Aktien. Damals dümpelte der Kurs so bei 14 Euro. Ich entschied mich für einen Kauf – im Börsenspiel der FAZ.
Und ärgerte mich bis Ende des Jahres schwarz, die Transaktion nicht in meinem Real-Depot vollzogen zu haben. Bis dahin katapultierte sich das Wertpapier nämlich auf bis zu 28 Euro, also das Doppelte. Und doppelt so groß ist heute auch mein Ärger, die Kaufgelegenheit damals versäumt zu haben. Denn jetzt wo man überall hören und lesen kann, der finnische Handyhersteller wolle ein deutsches Werk schließen und damit fast 5000 deutsche Arbeitnehmer auf die Straße schicken, hätte es mir größte Freude bereitet meinen Dissens durch einen sofortigen Verkauf zum Ausdruck zu bringen.

Jahrelang haben wir diese renditehungrige Heuschrecke mit Millionenbeträgen aus unserer Steuerkasse subventioniert und jetzt wandert sie ab, um woanders abzugrasen. Geschissen auf Stakeholder-Value. Lang lebe der Shareholder!
Und diese Entscheidung begründen die kapitalismuskorrumpierten Manager nicht etwa mit ihrer eigenen unersättlich Habgier sondern mit der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.
Da kann ich nicht nur an alle deutschen Shareholder appellieren, soviel kollektive Solidarität zum Standort Deutschland zu zeigen, dass der Kurs darunter leidet – Nein, eigentlich wäre es jetzt praktisch selbstverständlich, dass der gebildete deutsche Mobilfunknutzer bei der Wahl seiner nächsten zehn Telefone darauf bedacht ist, den Modellen der Marke Nokia keine Beachtung mehr zu schenken. Gibt ohnehin viel Schöneres… und meinetwegen ausnahmsweise auch mal ein iPhone!

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15 Kommentare zu “Stakeholdervalue bei Nokia”

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  1. jo2punkt0 meinte:

    Ich habe noch nie ein Handy der Fa. Nokia besessen. Tja und nun wird da auch nie was dras!

    Das was die hier abziehen ist echt das allerletzte!

  2. zeitgeist meinte:

    Gegen die chinesichen Sklavenarbeiter mit Ihren 60-70h Wochen hinter Stacheldraht kann Deutschland natürlich nicht konkurrieren, aber wäre das auch erstrebenswert?

  3. Dirk meinte:

    Ich bin Deinem Vorschlag in Gänze vorausgeeilt: Ich hatte immer Nokia-Handys und jetzt ein iPhone. Strike!

  4. tobe meinte:

    Pflichtprogramm:

    Der Ü-Wagen vom WDR macht Sonderprogramm und fährt am 19.01. nach Bochum um vor Ort mit Betroffenen und anderen zu diskutieren.

    http://www.ruhr-guide.de/rg.ph.....20Dortmund

  5. zeitgeist meinte:

    Dirk: Das iPhone ist aber ebenso Made in China, wie gesagt da arbeiten Teenager 7 Tage die Woche in lagern quasi.
    tobe: Bochum war doch auch wo die Opel-Leute wild gestreikt haben, da können sich die Nokianer/inen eine Scheibe abschneiden.

    Mein Fazit daraus ist: Kapitalismus ist anti-demokratisch. Er gedeiht dort am besten wo die Menschen am meisten entrechtet sind.

  6. hazzem[bmc] meinte:

    Hier mal ne Umfrage zu dem Thema Nokia Boykott!
    http://www.moviez.to/board/ind.....#post37693

  7. tobe meinte:

    @zeitgeist: punkt für dich zum thema iphone. in der tat stellt sich die frage, ob demokratie und kapitalismus vereinbar sind… aber direkt von der “diktatur der reichen” zu sprechen?

  8. Dirk meinte:

    @zeitgeist: Hm, stimmt. Wobei nicht das produzuieren in China als solches verwerflich ist sondern die möglicherweise unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Es gibt in China (und auch in anderen entsprechenden Ländern) eben nicht nur ausbeuterische Firmen, sondern durchaus viele, die das Gegenteil sind. Zugegebenermaßen weiß ich nicht, was nun für das iPhone gilt.

    Ich denke, dass die Demokratie die einzig sinnvolle Gesellschaftsform ist und der Kapitalismus die beste Wirtschaftsstruktur (jetzt mal gaaaaanzz pauschal). Auf der anderen Seite kenne ich keine Gesellschaft (Land mit angemessenen Bewohnerzahlen), in der gleich welche Form so richtig gut funktionieren würde.

    Letztlich ist die beste Form ein “guter Diktator”. Doch auf das Risiko würde ich mich nicht mehr einlassen wollen.

  9. uf2007 meinte:

    Hallo Zeitgeist
    Woher nimmst du eigentlich deine seltsamen Weisheiten ? Dein Wissensstand ist ca. 15 Jahre alt. Ich bin mit einer Chinesin verheiratet und wir sind jedes Jahr ca. 3 Monate in China in der Provinz Guangxi. Vom Kommunismus und den alten Zeiten ist in den Firmen überhaupt nichts mehr zu spüren und zu sehen. Die großen Fabriken haben teilweise modernere Arbeitsplätze als hier in Europa. Die durchschnittliche Arbeitszeit beträgt 40-45h in einer 5 Tage Woche. Englisch-Unterricht ist seit ca. 6 Jahren Pflichtfach in allen Schulen, Frauen gehen mit Vollendung des 50 igsten Lebensjahres in Rente usw. Ich könnte hier noch wesentlich mehr Positive Entwicklungen aufführen. Natürlich gibt es auch noch kleinere Arbeitgeber die der Entwicklung hinterherlaufen aber das wird nicht mehr lange so bleiben. Kapitalismus ist in China ganz groß geschrieben und die größeren Unternehmen scheren sich einen Dreck um die Meinung und Anweisungen der Partei und gehen einfach ihren eigenen Weg. Nämlich den Weg des Geldes.
    Soviel mal zum Thema China.
    Abwanderungspolitik europäischer Unternehmen nach Asien:
    Ich bin selber Unternehmer und kann jedes Unternehmen verstehen das auswandert. Mein erster Gedanke dient dem Wohlergehen und dem Wachstum des Unternehmens. Wenn ich dieses Ziel nur noch im Ausland erreichen kann, dann gehe ich. So einfach ist das !

  10. Erst absahnen, dann abhauen - tobes blog meinte:

    [...] live vom “Alter Markt” in Bochum Wattenscheid. Jetzt einschalten: WDR 5 zum Fall Nokia Wenn dir der Artikel gefallen hat, abonniere den kostenlosen RSS-Feed von tobe! Stimme ab: [...]

  11. jk meinte:

    warum es immer wieder menschen gibt die nicht begreifen wie die marktwirtschaft funktioniert? weil sie irgendwann zu unfähigen maschinen mutiert sind.

    ich kann wirklich nicht nachvollziehen warum menschen weinen wenn ein unternehmen sich entscheidet deutschland zu verlassen. subvention hin oder her… wenn es unmöglich ist für den preis den der MARKT (also IHR) bereit ist zu zahlen, dann muss ein weg gesucht werden die herstellungskosten zu senken. das hat nokia getan… und jeder der noch so sehr heult hätte in der situation genau das gleiche getan! warum? hey… die geiz ist geil mentalität kommt nicht von irgendwoher.

    es gibt dinge die geändert werden müssen und wenn ich mir ansehe was unternehmen an steuern in DE zahlen wird mir ehrlich gesagt schlecht… dazu die lohnnebenkosten + noch stress mit gewerkschaften die zu dumm sind um zu verstehen was die konsequenz aus ihren sinnlosen arbeitskämpfen ist. juhu, unterschreibt nur alle eure mitgliedsanträge bei den gewerkschaften,… die lachen sich einen weil sie umwerfend gut damit verdienen und ihr verliert eure jobs weil unternehmen das land verlassen.

    um das bild abzurunden springen hirnlose politiker auf diesen zuh auf und fangen ein paar arme stimmen ein. yeah… alles im lot!

  12. tobe meinte:

    warum es immer wieder menschen gibt, die nicht begreifen, wie KAPITALISMUS funktioniert? weil sie irgendwann selbst zu korrumpierten konsumsklaven mutiert sind…

    nein mal im ernst: dir ist schon klar, dass die lohnkosten in der handyproduktion leidglich einen anteil von ~ 5% der gesamtkosten repräsentieren?

    was den plötzlichen aktionismus unserer politiker betrifft, gebe ich dir recht: billiger populismus vor der nächsten wahl – aber nicht schädlich, wenn es uns wieder 40 mio. unserer steuergelder zurückholen kann…

  13. jk meinte:

    @tobe

    den ersten teil…also das mit dem kapitalismus meinst du doch nicht ernst oder? das ist ein wenig weit hergeholt, schliesslich leben wir im kapitalismus und final ist das auch das einzige system das funktioniert. schau dich mal um auf der welt, welche alternativen funktionieren den wirklich? wenn du alle die nicht funktionieren ausschliesst, ja dann bleibt nur der kapitalismus. ob das gut oder schlecht is lasse ich jetzt mal undewertet.

    das mit den lohnkosten stimmt im prinzip auf dem papier. der grund dafür ist aber das ein großteil der arbeitsleistung outgesourced wird… was zur folge hat das es in der P&L nicht unter lohnkosten auftaucht. faktisch sind wir aber als diestleistungsland zu teuer um auf dem markt im nahen ausland zu konkurrieren. warum das so ist? die frage habe ich in meinem ersten post denke ich ziemlich gut beantwortet.

    die 40 mio steuergelder haben wir schon lange wieder… also haben wir in DE zumindest wirtschaftlich keinen schaden erlitten… die stuern die nokia zahlte… die steuern die die dienstleister, zulieferer, usw zahlten überschreiten den betrag von 40 mio locker!

  14. Sabine meinte:

    Ich könnte mich heute noch darüber aufregen. Die nehmen sich das Geld und schließen dann das Werk. Das ist unglaublich.

  15. Nokia: Corrupting People - tobes blog meinte:

    [...] regten wir uns alle darüber auf, als der finnische Handyhersteller Nokia vor einem Jahr sein Werk in Bochum schloss um den EU-Subventionsgeldern nach Tschechien hinterher zu ziehen. Heute stellt sich raus: [...]

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