Zum ersten Mal seit langem habe ich es wieder geschafft, mich einem Buch mit diszipliniert anhaltender Intensität zu widmen. Wobei man dazu sagen muss, dass ich als TV-frei aufwachsender Jugendlicher mal ein routinierter Bücherwurm war. Heutzutage kaufe ich mehr Bücher, die mich interessieren, als ich lesen kann. Schuld ist zum einen das unerschöpfliche Schnäppchen-Depot bei Jokers, wo es Mängelexemplare zu unausschlagbaren Preisen gibt, zum anderen ein neuerdings schier endlos anwachsender Hunger nach Wissen und die Suche nach den Antworten auf die vielen Fragen, die mir mein bescheiden geführtes Alltagsleben nicht zu bieten vermag. Wenngleich dieser Alltag es immer noch versteht, mir soviel der kostbaren Tageszeit zu rauben, dass nie genug Zeit zum Lesen bleibt. Aber das letzte Wochenende habe ich nun ganz bewusst und dabei letztenendes zutiefst genießerisch einem meiner neuen Sachbuchaquisen gewidmet:
“Keine Sorge, wird schon schiefgehen” von Christiane Zschirnt. Untertitel: Von der Erfahrung des Scheiterns - und der Kunst damit umzugehen. Was auf den ersten Blick wie ein durch persönliche Erfahrung getriebenes Ratgeber-Handbuch aussieht, entpuppt sich in Wahrheit als eine clever komponierte Rundreise durch die philosophische Weltgeschichte der Selbstverwirklichung. Hier spannt die Autorin einen großen Bogen von den Abenteuern der griechischen Heldensage von Odysseus, über das scheiterlose Sündendasein des Mittelalters bishin zu bohemistischen Textstellen in HipHop-Tracks der Gruppe “Fanta Vier”.
Scheitern als die Schattenseite des Erfolgs, über die man nicht spricht. Scheitern als unvermeidliche Konsequenz einer Existenz in einer chancenreichen Gesellschaft ohne Grenzen der Selbstverwirklichung. Die Autorin versteht es, den Leser mitzunehmen auf eine Entdeckungsreise nach der Frage, was Scheitern bedeutet, warum es heute unvermeidlich ist und zu unserem Leben dazugehört wie der morgendliche Kaffee zum Aufstehen. Dazu gehört vor allem die Reflexion, wie es in Gesellschaften vor unserer Zeit aussah, denn von Ihnen können wir nicht nur lernen, besser zu scheitern, sondern auch, warum Scheitern heute überhaupt für jeden von uns diese konkrete persönliche Bedeutung besitzt.
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21.09.2009 / 22:57h /
Klingt vielversprechend! Ich melde mich hiermit dann mal zum Ausleihen an!