Herbstimpressionen WauWaubahn
Nov 15

Na, noch tun sie sich schwer, die Deutschen. Mit dem Lachen über sich selbst. Beziehungsweise über ihre Vergangenheit. Tabubrecher zum Thema Notionalsozialismus sind weiterhin Tabu, auch wenn der ein oder andere Kabarettist es immer wieder mal versucht. Und wenn es zunehmend wieder salonfähig wird, dass sich das ein oder andere zögerliche Lachen langsam von den hinteren Reihen seinen Weg nach vorne bahnt, haben wir das wahrscheinlich nicht wenig der Tatsache zu verdanken, dass sich überwiegend halbe oder ganze Ausländer an diesen heiklen Stoff heranwagen. Und sie scheinen auch weiterhin die Einzigen zu sein, denen man sowas überhaupt und offiziell erlauben möchte.

Allerdings dürfte keiner das Thema so unaufdringlich und charmant in seinem Programm verwoben haben wie der Berliner Türke und Ex-Polizist Murat Topal, den ich heute abend im Schaustall live und in Farbe erleben konnte. Hier ging es nicht vordergründig um Mulukken, Bullenschweine und Nazis sondern vielmehr und den ganz alltäglichen Wahnsinn wie wir ihn alle kennen, weil wir ihn entweder als Großstädter tagtäglich erleben oder als Großstadtperipheriebewohner alle schoneinmal erlebt haben. Und der ist nunmal voll von kuriosen Geschichten, Situation und Gestalten aber auch einer Menge Vorurteilen. Und wenn ein Polizist auspackt, was er schon so alles erlebt hat, kann man sich sicher sein, dass ein amüsanter Abend bei rumkommt. Und so war es auch. Gelungenes Programm, bei dem Murat sein Bestes gab, die authentischen Geschichten mit manchmal erschreckend umfangreichen Einsatz von Laut- und Körpersprache möglichst eindrucksvoll zu untermalen. Es hat seinen Zweck getan: ich war amüsiert, wenngleich dem Ganzen etwas mehr Tiefgang auch nicht geschadet hätte.

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