Kino - dafür werden Filme gemacht. So wird man heutzutage kurz und knapp begrüßt. Kein 30-sekündiger Clip mehr in dem Mamma mit Balg Geburtstagsständchen vor den Knastmauern bringt, weil Papa wegen Raubkopiererei zur ganz besonderen Frischzellenkur - weil ohne Frisch - verdonnert wurde.
Über den Wahrheitsgehalt dieses Slogans lässt sich natürlich trefflich streiten. Schließlich nutzt der ein oder andere Chauvi einen herzerwärmenden Liebesstreifen auch gerne mal dazu, um auf dem kuscheligen Sofa vorm Flimmerkasten sein neuestes Datingopfer zum pseudoromantischen Austausch ungewollter Intimitäten zu bewegen.
Aber ob nun wahr oder nicht, er wirkt. Und zwar am stärksten in genau jenem Moment, in dem man mit einer absurden Brille auf der Nase von den neuesten Trailern sogenannter 3D-Produktionen in den Sitz gedrückt wird.
Wie 3D-Kino genau funktioniert kann man anderorts nachlesen - wie eindrucksvoll es funktioniert, konnte ich gestern im neuesten, hochgelobten Kassenschlager von James Cameron erleben.
Avatar ist kein Film - Avatar ist ein Erlebnis. So sagen viele.
Und zwar nicht wegen der trivialen Geschichte, die sich in nicht vielen Sätzen zusammenfassen lässt: Ein Ex-Soldat soll für die rohstoffgieriege Ausbeuterrasse Mensch mittels eines Avatar den Eingeborenenstamm eines kolonisierten Alienplaneten ausspionieren. Als der angedachte friedliche Umsiedlungsversuch scheitert, weil der verkrüppelte Marine sich in eine heiße Stammesbraut verliebt, erklären die Kampftrupps der Minenkorporation den eigenwilligen Naturanbetern den Krieg, denn ihr Stammesbaum beherbergt unter seinen Wurzeln den mitunter größten Vorrat des begehrten Rohstoffs.
Umwerfend macht den Film die schiere Kraft der 3D-Bilder, die einem tatsächlich und wahrscheinlich erstmalig in dieser Tragweite das Gefühl vermitteln, im Geschehen live dabei zu sein. Zum ersten Mal in meinem Leben saß ich während der Actionszenen einmal nicht entspannt in meinem Kinosessel. Und ertappte mich an einer Stelle gar dabei, wie ich einem Felsbrocken auswich, der durch eine Explosion urplötzlich auf die Zuschauer zugeschossen kam.
Und damit stimmt zwar auch in meinen Augen, dass Avatar mehr ist als ein Film. Aber ohne seine imposante 3D-Wirkung würde er wahrscheinlich 90% seines Glanzes einbüßen. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass Cameron in seiner simplen Story eine mächtig brisante Politmetapher verbaut hat. Hochnäsige Imperialisten, die bei Bedarf das Volk ihrer Wahl zum Feind erklären, damit sie sich an Ihren Bodenschätzen bedienen können, lassen keine Zweifel offen mit welcher weltlichen Instanz hier der allegorische Vergleich hergestellt werden soll. Zeitweise wie eine bitterböse Karikatur wirkt der Streifen an Stellen in denen die Koloniallisten dem Terror mit Terror begegnen wollen, wobei der Terror den man bekämpft, nichts weiter ist als die Verteidigung der Unterdrückten.
Im weitesten Sinne interpretiert erscheint das wie ein provokativer Legitimierungsversuch von internationalem Terrorismus als Ausdruck des Widerstands gegen die Weltmacht der USA, die mit ihrem imperialistischen Gehabe die Welt ins Verderben stürzen wird.
Interessant, so etwas in einem amerikanischem Streifen zu sehen, aber eben nicht genug um aus der ganzen Geschichte eine interessante Story zu machen.
Alles in allem aber dennoch eine definitive Empfehlung, die jeden Cent der etwas teureren Eintrittskarte wert ist. Wenn auch nicht immer sauber umgesetzt - bei Szenen mit schnellen Kameraschwenks erscheint ein unangenehmer Nachzieheffekt - zeigt dieser Film in nahezu drei Stunden Laufzeit nicht nur, was schon heute alles mit 3D-Technologie möglich ist, sondern auch, wieviel Potenzial diese Form des Kinovergnügens noch für die Zukunft bietet.
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