Gestern war Kopfnickerkonzertzeit in Kölle. Und Tobe und Beckpacker waren mit am Start als der Großmeister des deutschen Sprechgesangs mit Tradition, Dendemann himself die Bühne des Gloria-Theaters gerockt hat. Und rockig wurde es im wahrsten Sinne des Wortes. Wer Dendes neues Album kennt, weiß, dass in “Vom Vintage verweht” ein deutlich anderer Wind weht. Stylistisch nicht ganz uninteressant, tendenziell ungewohnt ungechillt aber insgesamt auch irgendwie einfallslos und eintönig. Weswegen ich an dieser Stelle meine Zweifel eingestehen muss, die ich hinsichtlich der Rendite aus der Investition in diese Konzertkarte so hatte. Wie sich herausstellte: Mal wieder zu Unrecht.
Wie konnte ich vergessen, was für eine ein Gaudi Hip-Hopper veranstalten können! Zu schnell war wohl in meiner Erinnerung verblasst, was damals im Hundertmeister abging, als der mittlerweile auf die 40 zugehende Künstler des chilligen Sprechgesangs sein derzeitiges Album “Die Pfütze des Eisbergs” zum besten gab.
Und für Dendemann 2010 im Gloria nehme man diese Show, multipliziere Publikum und Bühnencrew gleichermaßen um den Faktor 3, addiere ein Haufen anderer Text und ein paar eGitarren - fertig ist Vom Vintage Verweht live.
Heißt aber auch, wirklich neu waren hier nur zwei Dinge: der fetzige Rockdrive, der sich durch alle Tracks des neuen Albums zieht und das Kostümbild der Performer, die allesamt dem Vintage-Motto treu in ausgewaschenen Jeans, knallbuntem Hoodie und/oder Cappy vor sich hinschwitzten. Die freien Radikalen heißt die Gruppe, mit denen Dendemann sich umgab und man kann zweifelsfrei postulieren: Es hat was, wenn der bassige Beat live vom Drummer statt aus der Beatbox kommt und wenn ein bisschen Fetz in die Lieder mittels Gitarristen und Keyboarder findet.
Es schien fast, als wollte der in die Jahre kommende Rapper das Publikum und seine Fans auf eine Probe stellen. Wieviel Rock vertragen meine Leute?! Deutet sich hier vielleicht eine musikalische Evolution für das zukünftige Dendemeier-Repertoire an?
Von einer Evolution der Texte zu sprechen, wäre jedenfalls wie eine Strapaze für den Begriff der Untertreibung, weshalb es gut war, dass auch viele der älteren Tracks gespielt und in der üblichen Sportsfreundmanier gecovered wurden.
Alles in allem wieder eine äüßerst gelungene Show mit einem klasse Publikum. Nicht zuletzt deshalb so sympathisch, weil Dendemanns Texte immer schon einen gewissen Intellekt angezogen haben und weil viele der alteingesessenen Fans natürlich mit ihrem Helden gealtert sind. So kann meinereins sich auf Konzerten noch völlig ausgelassen dem Kopfnicken hingeben ohne gleich befürchten zu müssen als potenziell Pädophiler von der Security abgeführt zu werden.
Im Anschluss an das Konzert konnte man dank After-Show-Party freizügig weitertanzen - ein DJ sorgte für phate Beats und chillige Rhymes von oldschool bis Reimemonster.
Sehr spaßig, da das Tanzvolk, das sich üblicherweise an lautstarken Darbietungsorten dieser Musikrichtiung zusammenrottet, diesmal abhanden blieb.
Dendemann sei Dank.
Und genauso wie für diese Party, gilt wohl auch für Dendemann: nein, er ist noch lange nicht am Ende, Mann!
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03.05.2010 / 01:28h /
ein paar coole Bilder gibt es übrigens hier:
http://stylespion.de/dendemann-gloria-koeln/5942/
04.05.2010 / 09:07h /
Damn! Sowas habe ich befürchtet, aber jetzt zu lesen dass sich meine Befürchtungen bewahrheitet haben lässt die Abgabe meiner Karte noch mehr schmerzen

Aber so ein Urlaub ist halt auch nich zu verachten.
Ich hoffe wir müssen nicht werst ieder Jahre auf das nächste Konzert warten!
04.05.2010 / 14:17h /
na komm, der eine tag urlaub. verstehe wer will deine opportunitätskostenrechnung an dieser stelle :-p
06.05.2010 / 11:59h /
pff am ende? das ich nich lache