Apr 21

Eigentlich wollte ich gerade über das BILDblog schreiben. Doch im Nachhinein überlegt ist die dort eingegangene Abmahnung eigentlich kaum der Rede wert im Vergleich zu dem was anderorts wieder für Schindluder getrieben wird. Aber weil ich ohne Niggemeiers und Heinsers Blog vermutlich gar nicht erst auf diesen anderen Fall aufmerksam geworden wäre, sei hierzu nur kurz erwähnt, dass der Verlag hinter Deutschlands größter Boulevardzeitung, die Axel Springer AG gegen das BILDBlog vorgeht. Drei Abmahnungen gab’s für irgendwas im Zusammenhang mit einer Rüge, die der Springer Auftritt “Welt online” vom Deutschen Presserat wegen eines Schleichwerbeartikels kassiert hatte. So wirklich nachvollziehbar ist das Ganze nicht. Aber das kennt man ja von vergleichbaren Fällen kleinkarierten Abmahnwahnsinns.
Da wird gestritten, wer wann was genau eingesehen und eingestanden und wer darüber wann und wo genau Bericht erstattet haben soll. Und BILDblog, die die abgemahnte Berichterstattung bereits korrigiert hat, bevor die Abmahnungen eintrudeln konnten, soll natürlich die branchenüblich bescheidenen Anwaltkosten der Streitanstifter zahlen. Mehr Infos gibt es hier zu lesen. Wer will kann auch spenden. Allerdings hätte ich da jetzt noch den brisanteren Fall, dessen Opfer eine kleine Finanzspritze vermutlich besser gebrauchen kann, als die Autoren von Deutschlands meistbesuchtestem Weblog.

Es geht um Stefan Aigner, Blogger unter regensburg-digital.de. Die Inquisition gibt es nun schon ein paar Jährchen nicht mehr, aber was stört das die katholische Kirche. Man kann doch trotzdem wunderbar weiter gegen unliebsame “Verleumder” hetzen. Dafür gibt es jetzt schließlich neuzeitadequate Methoden. Aigner hatte vor einiger Zeit aus einem SPIEGEL-Artikel zitiert, in dem es im jüngst ans Tageslicht gekommenen Pädophilenskandal unter anderem um Geldzahlungen einer Diözese an eine Opferfamile ging. Den SPIEGEL-Verlag ließ man unbehellligt, doch den Interpretationsrahmen, den Aigner um diese Zahlungen gesetzt hatte, befand die Kirche für inakzeptabel.
Wo käme man hin, wenn jeder dahergelaufenen Hinz und Kunz behaupten könnte, dass das im Kontext von Verschwiegenheitserklärungen fließende Geld nichts andere als Schweigegeld sei.
Das gehört mal ganz sicher auch als explizit gekennzeichnete Meinungsäußerung schlichtweg verboten und verbuddelt.
Regensburg-Digital zeigte Stärke und Prinzipientreue und wehrte sich gegen diesen Zensurversuch – die Abmahnungen blieben fruchtlos und die Kirche bemühte das für seine Bloggersympathien bekannte Landgericht Hamburg. Was nun folgte, ist eine einstweilige Verfügung.
Auch hier wird der Blogger-David den gewohnt harten Kurs bis zum Ende fahren – solange das Geld reicht. Mit seiner Onlinezeitung, die er als kritische Alternative zum lokalen Tageszeitungsmonopolisten sieht, legt er sich regelmäßig mit dem ein oder anderen Goliath an.
Für ihn ist Journalismus das zu veröffentlichen, das uns jemand anders verheimlichen möchte. Alles andere ist Propaganda. Und dass die systematische Vertuschung und Deckung von Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche dazugehört, dürfte nach diesem Ereignis außer Frage stehen.
Unterstützen kann man Aigner auf verschiedenem Wege. Wem der Journalismus-Slogan gefällt, kann ein paar Merchandising Artikel im Shop erwerben. Ansonsten gibt es Spendenkonto und Paypal-Account für die anstehenden Prozesskosten. Die Spenden werden übrigens zu 100% zurückgezahlt, sollte Aigner den Prozess gewinnen. Und bisher ist er noch kein einziges mal unterlegen…

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Ein Kommentar zu “Kirche hetzt wieder äh weiter”

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  1. Querleser meinte:

    Das Urteil ist da…

    http://www.regensburg-digital....../11032011/

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