Terroristen braucht das Land Integrationsutopie
Jul 23

Was für eine Glanzleistung des deutschen Journalismus’. Immer auf der Suche nach der Wahrheit. Man höre und staune: in einer Gesellschaft, in der jeder nur zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist und lieber wegschaut, wenn andere ein paar auf’s Maul kriegen, ist die Wahrheit meist gar nicht so einfach zu finden. Und so kam es, dass 2009 unisono alle Zeitungen, Magazine und Newsseiten einen Helden priesen, wie es ihn lange nicht mehr gegeben hatte: Dominik Brunner.

Sogar den Bundesverdienstorden hat er bekommen. Für ein vorbildliches Verhalten, das für jeden von uns eine Selbstverständlichkeit sein sollte. und das er mit dem Leben bezahlte. Die Fakten um den Fall sind eindeutig, wenn auch spärlich.
Und der ganze Rest, also alles was irgendwie wichtig iss um zu verstehen wie was mit wem passieren konnte, hat leider mit Hinschauen, Nicht-hinschauen-Können und Wegschauen zu tun. Und das wird jetzt systematisch auseinander genommen von Strafverteidigern, die dafür bezahlt werden, für ihre Mandanten die geringstmögliche Strafe rauszuholen.

Komisch, dass unzurechenbare Kleinkinder sich fast ein Jahr nach der Tat nicht mehr an jedes Detail erinnern können.

Komisch, dass der Lokführer gesehen haben will, wie Brunner einen Angriff gestartet hat. Gäbe auch überhaupt kein schlechtes Bild für die Betreiber der Bahn, wenn ein Mitarbeiter wegen unterlassener Hilfeleistung an den Pranger gestellt würde.

Komisch dass an genau jenem Tag die Kamera, die in jedem Zugabteil montiert ist, gerade diesen Vorfall nicht aufgezeichnet haben soll.

Komisch dass ein Notruf-Mitschnitt, auf dem die Aggrotöne und die Attacken der Opfertäter zu hören sind, vor Gericht nicht den Stellenwert einer Zeugenaussage hat, ja nicht einmal mehr Erwähnung findet.

Komisch dass der einzige bisher Unbeeinflussbare nicht nur dazu steht, ein Schisser zu sein, sondern genauso weiterhin konform zur ursprünglichen Tatverlaufsintepretation aussagt: Gesehen haben will er aus dem ausfahrendem Zug heraus wie einer dieser vertrauenserweckenden Halbstarken seelenruhig einen Schlüssel aus seiner Tasche gezogen hat um ihn sich als Waffe zwischen die Finger zu stecken.

Komisch, oder? Und das obwohl die Fakten stehen:
Dominik Brunner fuhr mit der S-Bahn. Eine ganze Reihe Teenager fuhr mit der S-Bahn. Dominik Brunner stieg aus. Es folgte eine Auseinandersetzung am Bahnsteig mit zwei der Teenager. Rund 44 Faustschläge und Tritte später verstarb Brunner.

Das ist das, womit man umgehen muss.

Stattdessen kann man jetzt überall lesen, wie jeder versucht, der anderen Seite was in die Schuhe zu schieben. Nur das es Brunners Seite nicht gibt. Der eine tot, die anderen widersprüchlich.
Ich sehe es schon von mir, wie wir uns am Ende freuen, dass wir Brunner das Verdienstkreuz wieder abnehmen können und die armen Opfer des S-Bahn Hooligans Brunner nicht wegen eines großen Missverständnisses in den Knast wandern.
Darüber, dass dies alles entstanden ist aus einer Sitaution heraus, in der ein Einzelner couragiert ein paar Mitmenschen vor einem gewaltsamen Übergriff schützt, redet ohnehin schon keiner mehr.

Herrliche Impulse an alle Beteiligten und Beobachter. Beim nächsten Mal werden wir auch alle garantiert mehr Zivilcourage zeigen!

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3 Kommentare zu “Wenn Opfer zu Tätern werden”

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  1. Bruda meinte:

    Tja. Kann man nur hoffen, dass die Justiz hier den Gesamtzusammenhang sieht und beachtet.
    Wenn mir eine gescheuert wird berechtigt mich das ja auch nicht auf die andere Person derart einzupruegeln… Ich finde, dass Gewalt generell wesentlich haerter bestraft werden muss. Und die Justiz koennte in diesem Fall endlich mal ein Beispiel setzen und die sowieso kaputten Menschen ohne Zukunft hinter Gitter bringen.
    Mord ist ja vorsaetzlich, was in diesem Fall nicht mal unbedingt sein muss. Aber ist das brutale zusammenschlagen eines Menschens nicht genauso schlimm? Egal ob dieser mich zuvor provoziert hat oder nicht…

  2. tobe meinte:

    gesamtzusammenhang? nun das ist ja leider gar nicht mehr aufgabe der justiz, seit man bei uns so schön paragraphenreiterei betreiben kann.
    um den gesamtzusammenhang zu betrachten bräuchten wir glaube ich ganz andere richterliche instanzen.

  3. Bruda meinte:

    Tja ist halt lächerlich.
    Vor allem, dass man jetzt den Herrn Brunner mit einem “normalen” Menschen relativiert, der den Angriff ja -womöglich- wahrscheinlich überlebt hätte…
    Heißt das, wenn ich verkloppt werde und eine überlebenschance von 10% habe die auch im Überlebensfall bezüglich MORD anklagen kann? Weil normal hätte man das ja nicht überlebt?

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