Mai 04

Beim Autofahren geht es natürlich vorwiegend um Zweckmäßigkeit, also darum möglichst bequem von A nach B zu kommen. Ja, Pustekuchen! Das sehen Psychologen ganz anders. Wie ich neulich in meiner ACE-Clubzeitschrift lesen durfte:

Bewegung hat in der Entwicklungsgeschichte des Menschen eine besondere Bedeutung. Sie ist eine wesentliche Bedingung für seine Identitätsentwicklung. Erst die Fähigkeit zur Bewegung macht die Autonomie möglich: Das Kind verschafft sich zunächst krabbelnd, später mit unsicheren Schritten die wachsende Unabhängigkkeit von der Mutter.

Dieses Streben nach Unabhängigkeit, das mit starkem Lustgefühl einhergeht treibt auch den Autofahrer an.
Wie ein Kleinkind verschafft er sich Raum und Autonomie, wenn er auf der Überholspur drängelt, rechts überholt und im Stau jedes eroberte Stückchen Straße verteidigt. Das Auto wird damit zum konsquenten Nachfolger von Dreirad und Roller.
Mit Rammstange, Breitreifen und schwarz getönten Seitenschreiben rüsten die Lenker ihre Festung auf Rändern hoch und erfüllen sich den Traum von einer uneinnehmbaren Ritterburg. Gleichzeitig drohen sie mit ihrem martialischen Design unbewusst anderen Verkehrsteilnehmern: Komm mir bloß nicht in die Quere!
Geraten zwei Gleichstarke aneinander, kämpfen sie wie die Platzhirsche um die Vorherrschaft auf der Linksspur, liefern sich wilde Verfolgungsjagden mit lebesgefährlichen Überholmanövern – bei denen es nicht selten kracht. Gerade die Besitzer von Sportwagen und teuren schnellen Autos fahren laut einer Untersuchung der “Akademie für Verkehrssicherheit” am aggressivsten. Sie halten sich für besonders gute, sportliche Fahrer.

Na, da wäre ich ja mit meinem neuen Schlitten quasi als Testosteron-Stier der Straße entlarvt. Eindeutig Männerthema, oder? Umso überraschender der letzte Teil des Artikels:

Wer auf der Überholspur tobt, hupt und flucht, muss aber nicht immer unbedingt männlich sein. Auch Frauen halten sich nicht mehr an die Regeln. Nach Erkenntnissen amerikanischer und japanischer Psychologen fallen sie immer häugier durch Rowdytum auf der Straße uf. Die Wissenschaftler befragten in beiden Ländern Studenten unterschiedlichen Geschlechts. Ergebnis: In der Aggressivität am Steuer standen zumindest die amerikanischen Teilnehmerinnen ihren männlichen Kollgegen in nichts nach. Teilweise übetrafen sie sogar die männlichen Verhaltensmuster. Sie gaben an, häufig zu dicht aufzufahren, riskant zu überholen und ausgiebig von Hupe, Lichthupe und obszöner Zeichensprache Gebrauch zu machen. Die Zeiten, in denen der weibliche Teil der Menschheit als rücksichtsvoll im Straßenverkehr galt, sind nach Ansicht der Forscher vorüber.

Guck an, guck an… So weit ist es also mit der Emanzipation?!

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