Mai 05

Der Werbespot war ja noch ganz kess. Aber sonst wär es ja auch kein Werbespot. Heute lese ich im Ticker des Bundesamts für Statistik. Die Ankündigung für die große Haushaltsbefragung. Vor lauter Aufmerksamkeit für Mutternatur sind mir die Fehltritte von Vaterstaat offenbar durch die Lappen gegangen. Zensus 2011? 7,9 Mio Haushalte zufällig ausgewählt? Auskunftspflicht? Personenbezogene Daten?

Es ist tatsächlich so. Zur Verifikation empfehle ich die Lektüre des 88 Seiten schlanken “Gesetz über den registergestützten Zensus im Jahre 2011“.
Erfasst wird nämlich weit mehr, als das, was man zum Zählen braucht. Einen Großteil davon lieferen Melde-, Arbeits- und Finanzämter. Den Rest dürft ihr selbst beisteuern. Sofern ihr zu den 7,9 Mio Auserwählten gehört, was auf Haushaltsebene mit einer Wahrscheinlichkeit von ungefähr 18,372% geschehen dürfte.
Und das sind dann so tolle Infos wie z.B. ob ihr zusammen mit einem Partner lebt, ob ihr mit ihm verheiratet seid, bei welchem Arbeitgeber ihr welchen Beruf und in welcher Position ausübt, auf welcher Etage ihr wohnt, wie alt ihr seid und wie eure Telefonnummer lautet.
Und auch wenn die Befragung in 12 Wochen abgeschlossen ist, soll das alles dann bis zu vier Jahre irgendwo abgespeichert bleiben. Wann dabei euer Namen von den sensiblen Daten getrennt werden, also der wertvolle Personenbezug verlorengeht, ist in keinem Satz des Gesetzes definiert. Bleibt zuletzt also nur zu hoffen, dass die Server des Bundesamts bis zu vier Jahre das durchhalten können, was Industriegigant Sony erst kürzlich in die Schlagzeilen brachte.

Wen die subtilen Argumente des Werbespots auf einmal doch nicht mehr so ganz überzeugen, dem bleibt eigentlich nur ein Ausweg. Unter Inkaufnahme eines Bußgelds die Befragung verweigern. Was aber auch nur insofern begrenzt hilft, als dass ein Großteil der Daten ohnehin anderorts generiert wird. Willkommen im gläsernen Zeitalter! BigBrother is profiling you…

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9 Kommentare zu “Zensus 2011”

Hast du keine Meinung?
  1. altes Coon meinte:

    Ach tobe, darüber regst Du Dich auf?
    Ist Dir nicht klar, dass Big Brother über ganz andere Wege viel leichter an viel interessantere und umfassendere Daten kommt, als über eine Volksbefragung von mickrigen 18%, deren Daten nach Deiner Kenntnis nur vier Jahre lang gespeichert werden und nach meiner Kenntnis im Verarbeitungsprozess schon sehr früh anonymisiert werden sollen?
    Na gut, vielleicht bist Du ja nicht bei Facebook oder Google+ registriert, vielleicht findest Du ja Webbsites nicht mittels der Googleschen Suchmaschine, sondern irgendwie anders (IxQuick.de?), kaufst nicht online ein und benutzt keine Payback-Karte. Du hast vermutlich auch keinen Computer, der permanent mit dem Internet verbunden ist und zumindest vielleicht Herberge diverser unerkannter Trojaner und sonstiger Spionage-Software sein könnte.
    Dann will ich nichts gesagt haben.

    Viele Grüße
    altes Coon

  2. tobe meinte:

    your point being? … the fight must never end

  3. altes Coon meinte:

    > your point being?

    Sorry, ich verstehe nicht …

  4. tobe meinte:

    your point being = was willst du damit sagen?

    wer konsument in zeitgemäßen märkten ist, tritt automatisch seine grundrechte ab?

  5. altes Coon meinte:

    > wer konsument in zeitgemäßen märkten ist,
    > tritt automatisch seine grundrechte ab?

    Faktisch allerdings, zumindest in den von mir genannten Bereichen.
    Oder ich will es besser so formulieren: Unsere Grundrechte scheinen uns dabei weitgehend egal zu sein.
    Im Rausch, die Vorteile der genannten Dienstleistungen genießen zu können, nehmen wir in Kauf, dass unsere Daten erhoben werden und auch verwendet – ob erlaubt oder nicht. Wir wissen, dass sie gesammelt und zusammenführen werden, begehren aber nicht auf und streuen unsere Daten munter weiter. Das ist doch faktisch ein freiwilliger Verzicht auf das Recht auf Schutz unserer Daten.
    Und dann kommt eine (in meinen Augen recht ungefährliche) Volksbefragung daher und man regt sich auf (zugegeben: nicht mehr so arg wie bei der letzten)?
    Für mich passt das nicht zusammen, die Sorglosigkeit auf der einen (hoch effizienten und kommerziellen) Seite und der Argwohn auf der anderen (eher schmalspurigen) Seite.

  6. tobe meinte:

    dass das bei vielen so ist, steht außer frage… wobei ich immer wieder gerne die frage aufwerfe, wann bewusstsein und wissen anfängt…

    aber was treibt dich dazu mich in diese schublade zu stecken?
    bei mir wirst du ebenso kritische beiträge über google, facebook, whatsup und co lesen…

    und die sache mit dem zensus als ungefährlich einzustufen, illustriert mal wieder wie entscheidend die grenze zwischen unwissen, wissen und bewusstsein ist

  7. altes Coon meinte:

    > aber was treibt dich dazu mich
    > in diese schublade zu stecken?

    Da muss ich wohl zugeben, zu schnell und zu scharf kommentiert zu haben. Nur, weil Du kein Freund der Volkszählung bist, kann ich Dich nicht in diese Schublade stecken. Sorry dafür!
    Allerdings schrieb ich ja schon in meinem ersten Post: “Dann will ich nichts gesagt haben.”

    > die sache mit dem zensus als ungefährlich
    > einzustufen, illustriert mal wieder
    > wie entscheidend die grenze zwischen
    > unwissen, wissen und bewusstsein ist

    Ich frage mich – da Du unkonkret bleibst -, welches Wissen Du mir Unwissendem voraus hast. Ängste gegenüber der Volkszählung hast Du mir voraus. Aber Wissen?

  8. tobe meinte:

    mh… also weisst du, aber dir ist nicht bewusst… oder: du persönlich findest datenschutz völlig überbewertet

  9. altes Coon meinte:

    Nein, das Gegenteil ist der Fall.
    Immer, wenn ich z.B. online einkaufe, bin ich froh, dass es entsprechende Datenschutzgesetze gibt.

    In meinen Kommentaren hier beziehe ich mich ausdrücklich nur auf die Volkszählung und die Angst, die ich davor nicht habe.
    Zum Einen habe ich (noch) nicht so viel Angst vor Vater Staat (mag sein, dass sich das eines Tages rächt), zum Anderen finde ich die Art der Fragebogen-Fragen nicht so schlimm, vor allem nicht im Zusammenhang mit der recht kleinen Menge an Auskunftspflichtigen.

    Auußerdem wiederhole ich nochmal meine Frage an Dich:
    > Ängste gegenüber der Volkszählung hast
    > Du mir voraus. Aber Wissen?

    Und ich meine wirklich Wissen, nicht Gerüchte.

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