Aug 18

bijou kritik test deniz inhaberwechselJedes mal wenn ich bei gutem Wetter die Poserstraße durch die Langenfelder Innenstadt rolle, sehe ich gestapelte Menschenmassen auf der Außenterasse des Café New York. Und vor gar nicht so langer Zeit dachte ich noch: das wird sich legen. Jetzt ist es noch neu und hip, und es geht darum, zu sehen und gesehen zu werden. Und irgendwann wird sich Langenfeld daran gewöhnt haben. An dieses stilfrei eingerichtete Irgendwas zwischen Extrablatt-Pendant und Schickimicki-Bar mit pseudo-amerikanischer Küche. Nur eine Frage der Zeit, bis sich das Publikum wieder gleichmäßiger verteilt und die Altbekannten ihr Gleichgewicht wiederfinden.
Doch so sehr ich’s mir wünschte, muss ich heute mit Bedauern sagen: es wird alles anders kommen! Zumindest für das Bijou, das seit seinem Betreiberwechsel kontinuierlich und darüberhinaus auch noch zunehmend entäuscht.

Durch ungelernte, oft unorganisierte Bedienung, durch ein gutes Bier auf der Karte, das man aber nicht bestellen kann und durch Essen, so minderwertig, dass es mir zuletzt den Appetit verdarb. Dazu findet man sich in einer Umgebung wieder, die seit der letzten Renovierung den Eindruck erweckt – und das gilt für drinnen wie draußen gleichermaßen – als habe man auf Biegen und Brechen versucht, den nicht vorhandenen Stil des Cafe New York zu kopieren. Damit versagt das Bijou auf ganzer Linie, namentlich dem A und O einer jeden Gastronomie: Ambiente, Service und Qualität.
Wenn man mir den Raum gäbe, über die Gründe für diese Degeneration zu spekulieren, würden dabei zwei Hypothesen rumkommen: Entweder erprobt Deniz gerade jede erdenkliche Stellschraube um Kosten zu senken und damit möglichst schnell sein aller Wahrscheinlichkeit nach fremdfinanziertes Invest der Übernahme dieses gutlaufenden Ladens wieder rauszuholen oder er hat als Gastronom einfach nicht seine Hausaufgaben gemacht.
Dass es eher Letzteres zu sein scheint, zeigt vor allem meine letzte Erfahrung dort. Nachdem ich mein früher immer vorrätiges Budvar nicht mehr bekam, obwohl es auf der Karte stand – Begründung: das bestellt hier keiner! – servierte man mir ein Schnitzel, das im Querschnitt nicht nur so aussah als wäre es aus Fleischabfällen, es schmeckte auch so. Es dürfte das erste Mal in meinem Leben gewesen sein, dass ich auf die Frage ob es gemundet habe, auf einen kaum angerührten Teller zeigte und mit einem herzhaft ehrlichen “Nein, das war scheiße!” antwortete. Trotz eingehender Erklärung dieser Bewertung fand der Kellner nicht so recht aus der Verdatterung heraus, kam jedoch ein paar Minuten später zurück, um mir ein Getränk auf Kosten des Hauses anzubieten. Krepiert ist dieser offenbare Versuch einer Entschuldigung dann aber darin, dass wohl das Budget für entsprechende Kompensationsgebaren nicht über ein Kölsch hinausreicht. Wenn man schon nicht, wie in guten Gastronomien üblich, das verhunzte Essen von der Rechnung streicht, hätte zumindest der Cocktail drin sein müssen.
Ich probierte noch ein paar Stück von dem, was meinen Bruder als Pizza serviert worden war, dabei aber aussah wie eine Suppe im Teigrand und fällte die einzig konsequente Entscheidung dieses Abends: Bijou, fuck you! Mich siehst du nie mehr wieder!

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4 Kommentare zu “Bijou, f*ck you!”

Hast du keine Meinung?
  1. Holla meinte:

    Hallo lieber Tobe,

    bin erst heute zufälligerweise auf deine Seite gestoßen. Sprich: ich weiss nicht, wer du bist, ich kenne keine weiteren journalistischen oder privaten Werke und Publikationen von dir. In Zeiten des Internets kann jeder kleine Mann seine Meinung hinter den Schatten der Anonymität verbreiten, in der leisen Hoffnung, gehört und bestätigt zu werden, aber auch genau so auf keinen Fall von Angesicht zu Angesicht mit einer gegenteiligen Meinung konfrontiert zu werden.

    Worauf ich nach meinem etwas überlangen Epilog hinaus möchte: Ich selber besuche das Bijou seit Jahren,habe es vor der Renorvierung erlebt und genauso auch in den schlechten Zeiten unter den Vorbesitzer (gute Journalisten bzw. Blogger nenne keine Namen, gell?) Kritik ist angebracht und wie sagte schon Otto von Bismarck

    “Ich bin dankbar für die schärfste Kritik, solange sie nur sachlich bleibt.”

    Diesen Leitmotto hast du mit deinem Text mit Anlauf in den Hintern getreten. Genauso wie die überaus unprofessionelle Photoshop-Montage am oberen Textrand. Das Machwerk eines 13 jährigen, sehr schön – aber von einem ambitionierten und selbsternannten Blogger wie dir hätte man da schon mehr erwartet. Ganz abgesehen von deinem lyrischen Fähigkeiten des Reimens. Bijou – f*** you?? – Schiller wäre stolz auf dich.

    Das Fleisch hat dir nicht geschmeckt? Echt schade, wirklich. Das passiert, immer. Überall. Und man kann nicht jedem Menschen auf diesen wundervollen ein einzigartigen Planeten Recht tun und seine subjektive Geschmacksrichtung zu 100% erfüllen. Wir sind Individueen und man kann und wird auch niemals alle Geschmäcker erzielen. So wie auch dir, was völlig ok ist, denn auch ich hatte schon ebenfalls nicht überall die besten Gastroerfahrungen gemacht.
    Aber daraufhin das Essen als umsonst angerechnet bekommen zu wollen? Sich über ein Kölsch beschweren und ein Cocktail zu verlangen? Bestimmt hast du dein aus Fleischabfällen bestehendes Schnitzel ( die Frage, woher du weisst wie Fleischabfalll schmeckt, lasse ich jetzt einfach mal offen und unbeantwortet) noch schön zu 3/4 verputzt, bevor du es als “Scheisse” deklariert hast.
    Und entscheidend ist: Wieso hast du nicht – entschuldige meine Wortwahl hier- die Eier und sagst es dem Kellner bzw. dem Geschäftsführer im Gesicht. Sagst, was nicht stimmt und was dir nicht passt. Stehst auf für dein Recht. Erhebst deine Stimme. Nutzt die Kraft der Worte. Nein, stattdessen machst du dir die Mühe und schreibst einen überlangen und sinnbefreiten Text, hantierst ein wenig unbeholfen mit Photoshop herum und fertig ist deine gnadenlose Abrechnung mit diesem Laden. Aufrichtig und zu seiner Meinung stehend klingt anders.

    Überallem steht aber – und das ist der Punkt, an dem ich jeglichen “Respekt” vor dir als Kritiker und Meinungsmacher verloren habe – ist die ätzende und bodenlose Diffarmierung und Verleumdung des Geschäftsführers. “fremdfinaziertes Invest der Übernahme” ? Hast du Einblick in seine Konten? Weisst du was er getan hat, um den Laden zu übernehmen? Noch viel wichtiger : von welchem Interesse ist das für dich? Spionierst du andere Leute aus? Weisst du welche Socken dieser Deniz trägt? Wie groß seine Nippel sind? Was er morgens frühstückt? Wie schwer sein Haufen ist? Ich denke nicht. Spricht da der nackte und überbordende Neid aus dir? Oder badest du dich gerne in deinen eigenen verbalen Ergüssen, wohl drauf verzichtend ob sie der Wahrheit entsprechen oder nicht? Fakt ist, dass Kritik an einer Gastromie nichts mit dem Geschäftsführer oder sonst wen zu tun haben sollte. Ich könnte jetzt auch behaupten, dass deine Blogger-affinität der Tatsache jeglicher fehlender sozialer und menschlicher Kontakte, Misshandlungen in der Kindheit (der Papa mit dem Stock, du weisst schon) und einer schweren Schulzeit entspringt. Tue ich aber nicht, da ich es nicht weiß, nicht wissen und mich vor solch einem Rufmord hüten möchte.

    Abschließend möchte ich dir, mein Freund, ans Herz legen, deine Kritiken weniger polemisch und sachlicher zu schreiben. Und wenn dir etwas so sehr gegen den Stich ging, dann gibts immer noch die verbale Aussprache. Hoffe deine Wenigkeit ist hierzu noch wenigstens in der Lage.

    Schöne Grüße & einen liebenswürdigen Abend noch,
    Mike

  2. tobe meinte:

    Hallo lieber Mike,
    ich freue mich, wenn meine Einträge am Ende dann doch mal einen längeren Kommentar wie deinen nach sich ziehen. Leider geschieht dies meist nur, wenn ich etwas provokativer, und weniger subtiler schreibe. Man muss die Leute heutzutage erstmal frontal mit dem Gesicht zuerst in die Scheiße stoßen, bevor sie sich Gedanken machen… Leider machen sie sich dann aber oft über genau die falschen Sachen Gedanken… aber das ist eine andere Geschichte. dein ausgiebiger Kommentar ehrt mich jeden Falls und auch wenn ich an sich eigentlich ein sehr fauler Mensch bin, möchte ich dies huldigen, indem ich ein paar Worte der Stellungnahme verliere.

    Über Stil und Form lässt sich freilich vortrefflich streiten… ich habe ungefähr drei Anläufe gebraucht, bis der Artikel so stand, wie er mir gefiel. In der derzeitigen Fassung spiegelt er wunderbar meine emotionale Haltung wieder, zugegebenermaßen opfere ich Sachlichkeit durchaus dem ein oder anderen rhetorischen Stilmittel. Aber what the fuck… jetzt kommt so ein Schlawiner daher und erzählt mir was über Blogger und Journalisten? Über prosaische Ethik? Wozu genau? Und danach ergießt du dich selbst in nicht minder wilden Spekulationen über meine Motive und Unzulänglichkeiten?

    “Bodenlose Diffamierung und Verleumdung”? das fand ich übrigens sehr amüsant. und was danach kommt, sollte wohl die Retourkutsche sein? oder davor…

    was bringt dich zu der Annahme, ich hätte mein Schnitzel gut und gerne zu 3/4 vertilgt und dann nicht mal mit Kellner oder Geschäftsführer vor Ort gesprochen? vielleicht solltest du meinen Artikel einfach mal richtig lesen, bevor du dich zu solch unsachlichen Aussagen verleiten lässt. aber vielleicht ging es ja gar nie um eine sachliche Auseinandersetzung mit den eigentlichen Inhalten… Ich habe gerade jedenfalls keine große Lust mehr, mich zu wiederholen.

  3. Mike meinte:

    Guten Morgen lieber Tobe,

    ich war optimistisch.

    Gespannt.

    Freudig erregt und erwartungsvoll, deinen Kommentar zu lesen.

    Du, bewaffnet mit spitzer Zunge und scharfer Feder, erfüllt mit einer talentierten Eloquenz und flüssigen Schreibstill, wirst bestimmt in die Tasten hauen und einen ebenbürtigen Kommentar schreiben. Du wirst eingehen auf meine einzelnen Punkte, wirst diese versuchen auszuhebeln und aus deiner Sicht begründen. Du wirst mir und den Rest der geneigten Leserschaft klarmachen, woher du den Einblick in die monetären Machenschaften des Geschäftsführers hast und was dich dazu getrieben hat, solche ein Äußerung zu verfassen. War es deine emotionale Haltung ganz allein, wie du ja sagst!? Das wage ich nach drei Anläufen latent zu bezweifeln. Ich hoffte, du wirst nun auf dein Ross steigen und deine Meinung nicht mehr emotional, sondern auch rational begründen.

    Das war meine Hoffnung.

    Und nun ist da Enttäuschung.

    Du fängst gut an, bringst es genau auf den Punkt, dass heutzutage nur Provokation Aufmerksamkeit erregt (“Wer interessieren will, muss provozieren”, Salvador Dali) Mein Feuer steigt, ich freue mich auf den Rest des Textes, aber dann …. bisschen Geschwafel, ein Begin hier, ein Häppchen dort – und schon ist das Ende des Textes angekommen. Plötzlich und abrupt. Unvorbereitet und unrund. Ist es wirklich nur deiner Faulheit geschuldet?
    Oder siehst du dich, konfrontiert mit meinen zwar teils unsachlichen (hier gebe ich dir ebenfalls Recht, auch meine emotionale Distanz war um 24Uhr nachts schon größtenteils im Tiefschlaf) aber doch den Kern treffenden Argumenten und Fragen, in die Ecke gedrängt und kannst nicht mehr returnieren?

    Na ja. Du wirst deine Gründe sicherlich schon gehabt haben. Für mich ist das ein weiteres, passendes Mosaikteilchen des Tobe B., welcher wie ein Elefant im Porzellanladen herumtrampelt, um viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, Lärm zu machen, Krawall zu erzeugen & das Spotlight zu genießen, aber bei erster und harter Konfrontation der unbeschönigten Tatsachen sich wie ein feiger Wiesel vom Acker macht. Das Leben kann manchmal ein Zoo sein,

    In diesem Sinne : have a nice day.

    Mike

  4. tobe meinte:

    für einen moment war ich tatsächlich verlockt… aber dann habe ich gemerkt, entweder er hat gar nicht verstanden, was ich geschrieben habe, oder er will es gar nicht… da du mir eigentlich wie ein clever kerlchen erscheinst, wird es wohl letzteres sein, womit wir wieder beim thema scheiße wären: zuviele menschen schauen sich nicht die scheiße an, in die sie gestoßen wurden, sondern befassen sich viel lieber mit dem, der sie in die scheiße gestoßen hat…

    sorry, trolle werden hier nicht gefüttert.

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