Dez 12

salafisten terror bahnhofAls neuerlicher Probeabonnent der taz – mit Bezugsbeginn am letzten Montag – war ich irgendwie schon ein wenig gespannt, ob und wie das nicht selten als echte Alternative zu Mainstream-Zeitungen umworbene Blatt sich zu dem Bonner Bomben-Alarm äußeren würde. Im Internet überboten sich die Gazetten ja bereits Montagabend im gegenseitigen Kopieren ihrer Spekulationen. Erst am heutigen Mittwoch fand das Thema dann Erwähnung in der taz, was schonmal gründlichere Recherchen statt blindem Copy-Paste Journalismus nahelegte. Ein wenig entäuscht war ich dann aber doch: Nicht nur hatte es entsprechender Artikel bis auf die Titelseite geschafft, sondern zugleich auch völlig zu Unrecht. Viel zu dünn, aus meiner Sicht, die bis Redaktionsschluss gestern präsentierbare Faktenlage, die hinter dem Ereignis ohne konkrete Beweise bereits ein missglücktes Attentat radikalislamischer Gläubiger, kurz “Dschihadisten”, suggerierte.

Was war passiert: Irgendein paar Kidies hatte am Montag am Bonner Hauptbahnhof eine verdächtig aussehende Tasche erspäht und gemeldet. Die Polizei dann in dieser Tasche eine Vielzahl von theoretisch “zündfähigen Materialien”, über die die KTU bis heute – genauer gesagt bis zum Druck des Artikels – nicht zu sagen vermochte, ob es in der platzierten Kombination überhaupt explosionsfähig war. Bevor das geklärt war, wollte die Polizei aber schonmal zwei Tatverdächtige aus der “Islamistenszene” festgenommen haben, der eine sogar durch die Zeugen vom Bahnhof identifiziert.
Nehmen wir einfach einmal für ein Gedankenspiel an, ich wäre Attentäter oder hätte vor, einer zu werden. Ganz bestimmt würde ich eine knallblaue Tasche mit meiner unfertigen Bombe so an einem Bahnhof abstellen, das sie anhand von aus der Tasche ragenden Drähten umgehend als potenzielle Bombe wahrgenommen werden muss. Dabei verhalte ich mich derart auffällig, dass ich dabei so aufmerksam von Zeugen beobachtet werde, dass die mich später auch eindeutig identifizieren können.
Möchte wetten, dass in ein paar Tagen niemanden mehr interessiert, was die kriminaltechnische Untersuchung ergeben hat, die mehr als 48 Stunden braucht um herauszufinden, ob man den Taschen-Cocktail so mixen oder ergänzen kann, dass dabei irgendwer zu schaden kommen könnte. Ach, Moment – die Bombe war mit einer Wasserkanone entschärft worden? Wie praktisch, dass alle Bestandteile in tausend Fetzen zerissen wurden. Aber egal… schließlich wurde ja bereits erfolgreich medial inszeniert, dass “die Islamistenszene” versucht hat, einen Anschlag auf den Bonner Hauptbahnhof zu verüben.
Immerhin bemühte sich die taz um ein Quentchen Neutralität, durch adequate Verwendung des Konjunktivs und einer Überschrift, die für taz-Verhältnisse unüblich nüchtern und nichtssagend daherkommt: “Festnahmen nach Bombenalarm”. Ein paar Stunden später hat uns die immer aktuelle Online-Presse dann schon verklickert, dass uns um ein Haar ein Madrid 2004 widerfahren wäre… Na gottseidank, sind unsere Terroristen solche Volldeppen!

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Ein Kommentar zu “Dschihad in Bonn”

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  1. Ziel erreicht - tobes blog meinte:

    [...] Geschäft mit der Angst ist voll aufgegangen. Die Nation zittert. Beinahe ein Madrid in Bonn? Das will keiner. Zeit für Politiker zu fordern, was überflüssig ist. Das Volk ist [...]

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