Jan 17

glasperlenspiel faredsMusiker sein, das ist schon ein hartes Los heutzutage… fast so schwer wie Anwalt. Gibt’s ja schließlich beides zuhauf, das eine unliebsamer als das andere. Doppelt schlimm wird’s wenn die beiden im Suff dann auch noch zusammenfinden um ihre hochtrabenden Geistesblitze in einem perfiden Joint-Venture zu kanalisieren. Das Ergebnis darf man dann aus geschätzten 30 Millionen Briefkästen Deutschlands rauspuhlen: Abmahnungen vom Fließband. Schade nur, dass Abmahnfabriken nicht einmal wirklich Arbeitsplätze schaffen, sonst gäbe es wenigstens noch eine gute Seite an der Geschichte.

Aufgezogen wird die Masche von Leuten, die sich selbstredend nicht als Betreiber einer Masche bezeichnet sehen wollen, unter dem Deckmäntelchen des Urheberrechts. Schon seit vielen Jahrhunderten ist schließlich wissenschaftlich erwiesen, dass Musik vor allem, die die sich als populär beschimpft, absolut schädlich für unser digitales Zeitalter ist… oder war es andersrum? Egal. Fest steht, dass so wenig diese talentierten Krawallmacher auch verdienen, dass es sie zu solch niederen Taten drängt, so viel verbauen sie sich auch die Chance, dass sich hieran irgendwann mal etwas ändern wird. Dann zum Beispiel, wenn sie zu verhindern suchen, dass ihre Musik in Tauschbörsen entdeckt neue Anhänger findet, die dann möglicherweise postum das Original erwerben.
Ach, nein – verdammt – wie konnte ich vergessen: Tauschbörsen sind ja böse und kurbeln niemals den Absatz an. Sie kanibalisieren nur.

Und jetzt meint also so ein Christian Königseder mir mit seinem neef tolle holscher hilfeAnwaltspitbull leckeren Schadenersatz für seine Portokasse abluchsen zu können. Mit irgendeinem Lied, das keiner kennt, das 2011 womöglich mal für eine Stunde auf Platz 99 in den Charts war, soll über meinen Internetanschluss im letzten Jahr reger Datenhandel mit dem Ziel der totalen Musikzerstörung stattgefunden haben.
Ich verstehe ja, ihr braucht Sündenböcke. Und Geld.
Aber warum nicht einfach mal dazu stehen? Also mehr zum Geld, als zu den Sündenböcken! Warum erst diese ganze paragraphisierte Zeterorgie von wegen Cyberterrorismus und Kulturuntergang?!
Seid doch einfach offen und ehrlich, steht dazu, dass ihr am Ende seid und stellt ein Sparschwein auf!
Vielleicht habe ich Mitleid und spende dann gelegentlich den ein oder anderen Euro.
Denn so wie es ausschaut haben Musiker oder vielmehr das, was von ihnen übrig bleibt, wenn sie ihre Seele erst einmal an den Teufel die Musikindustrie verkauft haben, leider verlernt, was sie machen müssen, damit sie von ihrer Musik auch leben können!
Schade, eigentlich… wo ich Musik doch irgendwie echt gern habe. Zumindest solange sie nicht “Echt” ist und von Christian Königseder alias “Glasperlenspiel” stammt.

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