Jun 28

whatsapp gefahrBis kürzlich dachte ich ja immer, die Spezies des gemeinen Whatsapp-Nutzers teile sich in zwei Lager: den naiv Unwissenden, der mit ein wenig Aufklärung durchaus wieder zum Nicht-Nutzer werden kann und den ignorant Gleichgültigen, der die Risiken billigend in Kauf nimmt, gar runterspielt, damit er sein erobertes Stück Bequemlichkeit nur ja nicht wieder aufgeben muss.
Tatsächlich ist die Lage wesentlich komplizierter. Wer sich Mühe mache, einmal genauer hinzuschauen, möge erkennen, dass sich hier sektenartige Strukturen auftun, die auf geradezu kriminelle Weise potenzielle Aussteiger unter Druck setzen.

Whatsapp zu deinstallieren ist damit kein so einfacher und konsequenter Schritt wie es jedem aufgeklärten und vernünftig handelndem Außenstehenden erscheinen muss. Es besteht durchaus Gefahr für Körper und Leben, zumindest im übertragenen Sinne, dann nämlich, wenn die sozialen Strukturen, in denen whatsapp-Nutzerkreise für gewöhnlich eingebettet sind, mit whatsapp selbst gleichstellt werden. Damit wird jede Handlung im und um whatsapp zu einer Handlung innerhalb des höherliegenden Sozialkontext – ein versuchter Ausstieg aus Whatsapp gar verbunden mit einem Versuch, weitere Teilnehmer ebenfalls zu überzeugen, wird als Attacke gegen die Gruppe gewertet.
Wenn der Verräter sich dann einige Wochen später wundert, dass irgendwie niemand mehr auf seine SMS antwortet, wird er bestraft mit abstrusen Begründungen wie “Tut mir leid, ich habe kein Geld für SMS!”. Es liegt auf der Hand, wie real diese subtile Drohung des Gruppenausschluss auf den Aussteiger wirken dürfte. Möchte er seinen sozialen Kontext nicht komplett aufs Spiel setzen, ist er gezwungen wider seiner Überzeung rückfällig zu werden.
Dass in einem Fall wie whatsapp nun also auch das Prinzip von “peer pressure” zum Tragen kommt, gestaltet die Aufklärungs- und Rehabilitationsarbeit deutlich schwieriger als ursprünglich angenommen. Ich fordere eine breitere Öffentlichkeitsarbeit auch von Seiten der Politik sowie die Einrichtung entsprechender Selbsthilfegruppen für Whatsapp-Opfer. Die Amerikaner haben es geschafft in diesem Land mit Whatsapp nicht nur etwas einzupflanzen, was sich virusartig verbreitet und parasitär von unseren Daten ernährt, sondern mit dieser hinzugekommen Dimension auch gleichsam einem Krebsgeschwür droht, ab einem gewissen Verbreitungsgrad absolut inoperabel zu sein. Es muss daher umgehend gehandelt werden, bevor es zu spät ist!

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Ein Kommentar zu “Selbsthilfe für WhatsApper”

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  1. Taxi München meinte:

    Ich habe den Schock des Lebens immer noch nicht verdaunt, nach dem ich erfahren habe, was mit Whatsapp alles möglich ist. Einfach schrecklich. Ich selber nutze Whatsapp seit ein paar Monaten. Jetzt heißt es nur noch schnell Deinstallieren.
    Danke für den interessanten Artikel und viele Grüße aus München

    Das Team von Taxi München – Das Taxiportal

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