Dez 09

Die Theorie der natürlichen Auslese bringt das gleiche Problem mit sich wie das Konzept des Nutzens – beide wollen die alles erklärende Ursache des menschlichen Verhaltens oder der gesellschaftlichen und natürlichen Entwicklung sein. Nicht einmal bei der natürlichen Auslese – sei sie nun biologisch oder gesellschaftlich – können wir im Voraus sagen, was passieren müsste, damit diese Theorie nicht gelten würde. Anders ausgedrückt: wie es aussehen würde, wenn der Markt (die Natur) nicht die Anpassungsfähigsten auswählen würde. Das hat etwas von einer Tautologie:

Diejenigen, die überleben, sind immer die Anpassungsfähigsten. Wer sind denn nun die Anpassungsfähigsten, wie können wir das sagen? Nun, diejenigen, die überleben. Das können wir aber erst hinterher wissen. Wenn wir diesen berühmten Ausspruch nur leicht paraphrasieren, besagt er also lediglich: Diejenigen, die überleben, sind die, die am besten in der Lage sind, zu überleben (statt des Wortes “anpassungsfähig”). Oder: Die, die überleben, sind die, die überleben. Somit werden alle, die überleben, zu den Anpassungsfähigsten erklärt. Dieser “Theorie” müssen wir notwendigerweise zustimmen, da man ihr nicht widersprechen kann.
Fazit: Beim Sozialdarwinismus handelt es sich um eine Binsenweisheit.

~ aus Sedlaceks “Die Ökonomie von Gut und Böse”

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2 Kommentare zu “Tautologie des Darwinismus”

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  1. Tinu meinte:

    Sorry, dein Fazit ist falsch! Sozialdarwinismus ist nicht dasselbe wie Darwinismus – der Sozialdarwinismus besagt, dass der Mensch aktiv eingreifen soll, um den “Besten” zum überleben zu verhelfen. Der Darwinismus, respektive besser die Evolutionstheorie hingegen sind in der Tat eine Binsenweisheit!

  2. tobe meinte:

    und wer sagt, dass sozialdarwinismus besagt, was du sagst, dass er besagt?

    ps: es ist nicht mein fazit, sondern das des ökonomen tomas sedlacek.

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