Jan 20

dschango unchained kino test kritikSo langsam bekomme auch ich Respekt vor ihm. Zweifelsohne, seine Signatur war, ist und bleibt unverkennbar: Quentin Tarantino, ein Mann – ein Mythos. Wenngleich ich mit den meisten seiner “alten” Filme nicht wirklich etwas anfangen konnte. Für mich macht einen guten Film aus, wenn er eine Aussage hat. Ein Fazit… eine Moral… von der Geschichte und aus der Geschichte heraus, die er erzählt. Bei Tarantinos Filmen dagegen hatte ich immer den Eindruck, sie lebten mehr von den Protagonisten als der Handlung. Es sind Charakterstudien, nicht selten ins Tragischkomische verzerrte Existenzbeschreibungen. Der Mensch wie er mit dem Leben hadert, und den Geschichten, die es zu erzählen weiss… Geschichten, die freilich nicht immer spannend sind. Spannend oder amüsant wird es, wenn Tarantino seine Marionetten des Authentizismus tanzen lässt. Die Erkenntnis darüber, was er genau sagen will, bleibt nicht selten nur den fanatischsten Anhängern vorbehalten. Und nur zu gern führt man Diskussionen darüber, ob die Menschen wirklich so sind, oder zumindest sein könnten, wie Quentin sie portraitiert. Normale Menschen in außergewöhnlichen Situationen. Oder außergewöhnliche Menschen in ganz normalen Situationen.

Mit “Django Unchained” wird – einmal mehr nach “Inglorious Basterds” – mit einer wahrscheinlich ohnehin nie bewusst gepflegten Tradition gebrochen. Vielleicht nur eine Laune – vielleicht bewusste Evolution im Schaffensprozess. Auf einmal geht es um etwas. Ein Statement. Unterhaltung mit Hintergrund. In “Inglorious Basterds” durfte die ganze Welt mal wieder über Nazis lachen, weinen und den Kopf schütteln – Django unchained bringt uns den weitaus seltener thematisierten “amerikanischen Holocaust”, mit all jener Wucht des Grauens, die seine Bezeichnung erst legitimiert, auch wenn sie seit lange vor Tarantino in den Geschichtsbüchern verstaubt.
Django Unchained dürfte der wohl unterhaltsamste Film über eine der wohl greulichsten von vielen Verbrechen der Amerikaner an der Menschheit sein. Und dass der Film dabei nicht zu einer peinlichen Farce kollabiert, ist zweifelsohne der Genialität von Tarantino himself zu verdanken, der es geschickt versteht, den Betrachter mal zu schocken, dann zum Nachdenken anzuregen und schließlich zum Lachen zu bringen. Django ist mal purer Horror, mal reinste Augenweide. Er ist Western, Geschichtsdrama und Liebesgeschichte in einem, meisterlich gespielt vor allem von Waltz und DiCaprio. Ein Film so direkt und unverblümt, dass er manchen Amerikaner vor den Kopf stoßen wird, nicht zuletzt weil er den allzeit als ethnohygienisch verrufenen Deutschen in der Rolle des intervenierenden Sklaventumskeptikers wieder findet.
Django unchained lebt von einer permanenten Polarität, die von Tarantino eindrucksvoll und auf allen Ebenen geschaffen und in Szene gesetzt wird. Ein Meisterwerk so respekteinflößend, unterhaltsam und schön, dass mir nur eines zu sagen bleibt: Unbedingt anschauen!

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