Mai 09

rauchverbot 2013Man nimmt es kaum wahr, aber es hat sich was verändert. Wie widersinnig würde es auch sein, vermisste man das, was einen stört, in dem Moment, da es nicht mehr da ist. Es ist der Rauch, der auf einmal weg ist und uns in hiesigen Restaurants und Clubs wieder tief durchatmen lässt. Und auch die Natur frohlockt vermutlich: keine unnötigen Waschvorgänge verrauchter Klamotten mehr in der Abwasserbilanz.
Und mir als überzeugtem Gelegenheitsraucher bleibt nur eines zu sagen: Danke! Danke für dieses überfällige Verbot der interhumanen Umweltverpestung!

Denn ich bin OpferOpfer. OpferOpfer, weil die noch viel größeren Opfer die Raucher selbst sind. Bemitleidenswerte Menschen mit einer destruktiven Sucht, die sie nicht selten abstreiten mit den Worten es handele sich um eine bewusste Entscheidung für einen oralen Genuss, auf den sie nicht mehr verzichten möchten. Aber wie sagte schon ein bekannter Kabarettist: Der Raucher raucht, um sich so zu fühlen, wie ein Nichtraucher die ganze Zeit.
Glaubhaft sind in diesem Zusammenhang die Begriffe “freie Entscheidung” und “Genuss” wenn überhaupt nur aus dem Munde eines echten Gelegenheitsrauchers, der als eine Art bonvivanter Grenzgänger sich von den Zwängen dieser Droge und den Einflüssen des subtil perfiden Marketings der Tabakindustrielobby freisprechen kann.
Raucher sind nicht nur abhängig, sondern besitzen auch eine coinhärente Haltung der Rücksichtslosigkeit gegenüber Nichtrauchern, nicht selten versteckt hinter einer bewusst nach außen gekehrten Pseudotoleranz, völlig unwissend der Tatsache, dass sie mit dem resultierenden Verhalten damit zu Opfertätern werden.
Das betroffene Opferopfer ist machtlos, weil es dort auf Schutz angewiesen ist, wo es selber sich nicht schützen kann. Man sagt zwar, viele Dinge regele der Markt. Rauchen ist ein Thema, um das sich der Markt einen verqualmten Dreck schert. Und wo Märkte nicht funktionieren, war schon immer der Staat gefragt, was übrigens mit diktatorischer Bevormundung genau so viel zu tun hat wie rim mit blow wenn’s um jobs geht. Dabei spricht der Staat nicht nur für die immernoch eine Mehrheit ausmachende Menge suchtfreier, wohlgemerkt lobbyfreier Nichtraucher sondern auch im Sinne übergreifenden Allgemeinwohls.
Und dass mittlerweile auch die Raucher dankbarer werden, dass man ihnen immer mehr Anreize bietet, sich ihrer Sucht zu stellen, merkt man nicht zuletzt daran, dass es in Deutschland mehr Zustimmung für das neue Rauchverbot gibt als Nichtraucher.
Und so kann das Fazit für alle nikotinen Restresistenzler nur eines lauten: Das Rauchverbot, so oft und vehement verschrien als Einschränkung des Rechts auf freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit, sollte vielmehr als zusätzliche Motivation verstanden werden, aus der eigenen suchtgegebenen Abhängigkeit heraus- und in ein befreites Leben zurück zu finden.
Denn es wäre paradox und höchst sinnfrei, nach einer Freiheit zu streben, die in Wahrheit genau das Gegenteil ist.

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