Feb 12

Es gibt einen Kult des schnellen Jetzt, um den massiven Verbrauch von Erdöl, Rohstoffen und Natur zu legitimieren. Die Vorstellung, das Leben und Wirtschaften auf einen Zeitraum von zwanzig oder sogar hundert Jahren anzulegen, erscheint in der Logik ihrer eigenen Krisen vermessen. Wenn eine Weltwirtschaftskrise so abrupt kommen kann wie die von 2008, wie sollte man dann Klimaforschern Glauben schenken, die behaupten das Jahr 2050 vorauszuberechnen? [...]

Dieser Kult speist sich aus vielen Quellen, die eines gemeinsam haben: Belohnungssysteme zu sein. Das Gehirn ist leicht dazu verführbar, kurzfristigen Belohnungen vor längerfristigen den Vorrang zu geben. In der Ökonomie ist eine Präferenz für die Gegenwart gegenüber der Zukunft tief verankert, was sich bis in ihre Kapillaren in Profitmöglichkeiten niederschlägt. Für beides gibt es überlebenswichtige Gründe: Das Gehirn belohnt den erfolgreichen Jäger und Sammler, der ökonomische Darwinismus den Menschen, der heute ein Essen auf dem Tisch hat. Die Milliarden ärmsten Menschen haben gar keine andere Wahl, als von Tag zu Tag zu leben. Hinzu kommt, dass es auch in der Politik eine starke Gegenwartspräferenz gibt, weil Politiker die nächsten Wahlen gewinnen wollen und müssen, nicht die übernächsten.
Es wird aber immer klarer, dass die Gegenwartspräferenz für das Leben und Überlegen im 21. Jahrhundert und darüber hinaus nicht reicht.

~ aus Menschenzeit von Christian Schwägerl

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