Mrz 02

tod den abmahnanwältenMir steigt die Wut schon wieder bitter hoch wie Magensäure bei Sodbrennen. Diese wiederkehrenden Bettelschreiben sind lästiger als jede Mückenpest im Hochsommer. Und Mücken haben wenigstens eine natürlich legitimierte Daseinsberechtigung. Die für diesen Briefkastensondermüll verantwortlichen, analfixiert parasitären Karriereluftnummern sind nicht nur überflüssig wie Dünsschiss sondern zudem auch noch schädlicher als Klimawandel.

Anstatt dankbar zu sein, dass Sozialstaat Deutschland ihre traurigen Existenzen trotz Minderbemittlung auf allen mentalen Ebenen noch irgendwie durchschleift und nicht vergast, verpesten sie die gesunde Restluft der freilebenden und freidenkenden Bevölkerung mit ihrer hochgestapelten Abgasartikulation. Ganz gleich mit welcher Verachtung man auf sie herabschaut, gehen sie ihren armseeligen Machenschaften mit derart quasi-maschineller Geschäftigkeit nach als hätte Gott sie dazu berufen und begründen ihr Handeln meist mit dem Notleid anderer. Gequält und irgendwie machtlos lässt man sie gewähren, solange die ganze aufgeblasene Farce davon abzulenken vermag, wer in wahrheit die einzig Notleidenen sind.
Und für jene, die der absonderlich unabgesonderten Spezies jegliche Aufmerksamkeit versagen, geht das genauso lange gut, wie auf der anderen Seite ausreichend viele, hinreichend moralverdrehte Almosentäter vor Mitleid oder Angst erweichen und die gott- wie herrenlose Außenseiter mit ein wenig Kleingeld füttern. Fatal ist in jedem Einzelfall initial gezeigte Großzügigkeit, gleichwohl missverstanden als unbegrenzt geltendes Schuldeingeständnis für sämtliche sortengleichen Sünden überhaupt, für die der Bittsteller sich ab sofort die Dauerlizenz zum Ablasshandel erteilt.

Doch wehe, wenn der Rubel nicht mehr rollt. Wenn übermannt von rudelformender Gier auch die unbedarftesten aller Unwissenden keinen Cent mehr opfern wollen für die erstrebenswerte aber unerreichbare Erlösung von dieser permanenten Pedanterie. Je mehr sich dieser Verdrehung von Verdienstmoral verweigern, desto stärker die Abhängigkeit der verprellten Schmarotzer von ihrem eigenen Werbedruck, der mittlerweile ein solch vernichtendes Ausmaß angenommen hat, dass angsichts des gigantomanischen Briefvolumens der größte Gewinner wohl die Deutsche Post und der größte Verlierer der uniglobale Regenwaldbestand sein dürften.
Was den Verursachern dieser manigfaltigen Misere fehlt, ist die Selbst-Reflexion über ihr eigenes schandhaftes Tun, ihren inhaltslosen Beitrag zum Bruttosozialprodukt und der Verbesserung der Welt im Allgemeinen. Und obgleich die Früchte ihres Handelns hinreichend Anlass dazu geben sollten, tue ich ihnen an dieser Stelle nochmal den Gefallen, es in leicht bekömmliche, wenn auch schwer verdauliche Denkanreize runterzubrechen:
Erst wenn der letzte Baum für den Druck eurer Geistesabflüsse gefällt, der fitteste Briefträger am Gewicht eurer Schamprodukte zusammengebrochen, und der untalentierteste Musiker auch mit euch arm geworden ist, werdet ihr merken, dass Menschen keine Tiere sind und man Kultur nicht rauben kann – denkt mal drüber nach, liebe Abmahnanwälte der Musikindustrie!

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