Nov 21

Es war einmal ein Mann, der fürchtete sich vor seinem Schatten und hasste seine Fußspuren. Und um beiden zu entgehen, ergriff er die Flucht. Aber je öfter er den Fuß hob, um so häufiger ließ er Spuren zurück. Und so schnell er auch lief, löste sich der Schatten nicht von seinem Körper. Da wähnte er, er säume noch zu sehr; begann schneller zu laufen, ohne Rast, bis seine Kraft erschöpft war und er starb.
Er hatte nicht gewusst, dass er nur an einem schattigen Ort zu weilen brauchte, um seinen Schatten los zu sein. Dass er sich nur ruhig zu verhalten brauchte, um keine Fußspuren zu hinterlassen.

~ aus “Die drei Sprünge des Wang-lun” von Alfred Döblin

Wenn dir der Artikel gefallen hat, abonniere den kostenlosen RSS-Feed von !
Stimme ab: 1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Be the first!)
Loading ... Loading ...
2,033 views

Kommentieren