Freiheit von heute kommt in einer dichtbesiedelten Welt ohne ein Gegenüber nicht aus: Das ist heute nicht nur der Andersdenkende, sondern auch der anderswo oder erst künftig lebende Mensch, den man ungefragt in den eigenen Stoffwechsel einbindet. Auch die andersartigen Lebewesen, die vom eigenen Lebensstil betroffen sind, gehören dazu.
In diesem Sinn ist eine Marktwirtschaft, die in ihren Bilanzen Natur einen Eigenwert und Umweltschäden eine hohen Preis zumisst und die nicht vom beständigen Wachstum des Materialverbrauchs abhängig ist, viel freier als das, was bei selbsternannten “Liberalen” unter freier “Marktwirtschaft” verstanden wird.
Ein in diesem Sinn freiheitsliebender Mensch muss heute wild entschlossen sein, so zu leben, dass er keine Spur der Zerstörung hinterläst und sein Geld dazu dient, technologisch mit den Ökosystemen der Natur zu wachsen statt gegen sie.
Wow… bin ich baff. Bald fünf Jahre bei meinem Arbeitgeber beschäftigt, war das höchste der Gefühle, was der zu Unrecht von Mitarbeitern als Kantine bezeichnete Pausenraum an Zubereitungsmöglichkeiten für Mittagessen zu bieten hatte, eine Mikrowelle. Jetzt hat er doch tatsächlich ein Ugrade erhalten: zwei neue Mikrowellen. Absolut High-End, mit mehr Unterfunktionen als der konventionelle Elektroherd zuhause und mehr Schaltern und Knöpfen als der Mensch braucht um nicht den Überblick zu verlieren. Doch am Ende bleibt es nunmal was es ist: eine Mikrowelle. » Weiterlesen »
Tobe berichtete Anfang 2012 bereits über die wenig beachteten Moral-Fehltritte der Einkaufsplattform Amazon. Deutlich mehr Aufsehen erregte nun eine sorgsam recherchierte Reportage im gestrigen Spätabendprogramm der ARD. Die Reporter hatten sich auf das Arbeitslager der Zwangsarbeiter in Bad Hersfeld eingemietet. Oh, was habe ich gesagt? Natürlich meine ich das Wohnlager der Leiharbeiter. Glaubt man den Äußerungen derjenigen, die die Doku gesehen haben, besteht jedoch akute Verwechslungsgefahr, vor allem wenn man erst mittendrin reinschaltet… Rundfunkgebühr Mediathek sei Dank werde ich mir heut abend mein eigenes Bild machen: Klick!
Es gibt einen Kult des schnellen Jetzt, um den massiven Verbrauch von Erdöl, Rohstoffen und Natur zu legitimieren. Die Vorstellung, das Leben und Wirtschaften auf einen Zeitraum von zwanzig oder sogar hundert Jahren anzulegen, erscheint in der Logik ihrer eigenen Krisen vermessen. Wenn eine Weltwirtschaftskrise so abrupt kommen kann wie die von 2008, wie sollte man dann Klimaforschern Glauben schenken, die behaupten das Jahr 2050 vorauszuberechnen? [...]
Heute schließt die Mainstream-Ökonomie jede Relevanz der Ethik aus, und zwar aufgrund einer falschen Auslegung von Adam Smith. Tatsächlich hat die Ökonomie Bernard Mandevilles’ Denksystem entwickelt, das Smith ablehnte. Die Ökonomie ist keine Moralphilosophie mehr, sondern nur eine mathematisch-allokative Wissenschaft. Meiner Ansicht nach hätte sie Letzteres entwicklen müssen, ohne Ersteres zu vernachlässigen. Wenn sie den ethischen Fragen weiter genauso viel geistige Energie gewidmet hätte, wären wohl manche der “Sackgassen-Fragen”, die in der Ökonomie (insbesondere in der philosophischen) auftauchen, klarer. Die Ökonomie hat sich generell erstaunlich wenig mit den ethischen Wissenschaften ausgetauscht, aus denen sie hervorgegangen ist.
~ “Blasphemische Gedanken” von Tomas Sedlacek
Die Theorie der natürlichen Auslese bringt das gleiche Problem mit sich wie das Konzept des Nutzens – beide wollen die alles erklärende Ursache des menschlichen Verhaltens oder der gesellschaftlichen und natürlichen Entwicklung sein. Nicht einmal bei der natürlichen Auslese – sei sie nun biologisch oder gesellschaftlich – können wir im Voraus sagen, was passieren müsste, damit diese Theorie nicht gelten würde. Anders ausgedrückt: wie es aussehen würde, wenn der Markt (die Natur) nicht die Anpassungsfähigsten auswählen würde. Das hat etwas von einer Tautologie:
Ihr nennt es Demokratie. Habt das Gefühl ihr habt Einfluss auf irgendwas. Dabei geht ihr nicht mal wählen. Wen wundert, dass niemand mehr repräsentiert. Außer sich selbst. Niemand will repräsentiert werden. Mittlerweile reicht es, sich selbst zu repräsentieren. In uferloser Bedürfnisbefriedigung durch Konsum. Charakterlose Politik mit profillosen Parteien sind das Resultat. Ich bin satt von so wenig Einfluss. Demokratie als “ein politisches System, bei dem das Volk eine wesentliche mitbestimmende Funktion einnimmt”, erfordert Mündigkeit und Wissen. Ihr glaubt zu wissen, ohne zu wissen, dass ihr nur glaubt. Sicherer ist, nichts zu glauben. Mit den Worten von Kurt Tucholsky: Ich glaube jedem, der die Wahrheit sucht. Ich glaube keinem, der sie gefunden hat.
…oder verdummst du schon?
Bei allem Loblied auf die Errungenschaften des digitalen Zeitalters, natürlich ist naheliegend, dass es auch Schattenseiten gibt. Aber wer hätte gedacht, dass diese so tiefgreifend sind?! Zum Beispiel im Bereich der Sprachkompetenz: Professor Dr. Gerhard Wolf von der Universität Bayreuth hat eine Umfrage an 135 deutschen geisteswissenschaftlichen Fakultäten in 62 deutschen Universitäten durchgeführt. Neulich im Wartezimmer beim Arzt bin ich im “Der Spiegel” (Ausgabe 40) über einige seiner Ergebnisse erschrickt:
Es war neulich bei einem schmackhaften Abendessen in einem gemütlichen Münchener Café, dass ich auf die Rolle der Schule in unserer heutigen Gesellschaft zu sprechen kam. Schule im klassischen Sinne ist obsolet. Zu diesem Schluss ist man gezwungen zu kommen, wenn man sich die heutigen Formen von Wissensspeicher und deren Zugänglichkeit anschaut. Wenn die Vermittlung von Faktenwissen die Funktion von Schule sein soll oder sollte, um damit jedermann sein Recht auf Bildung zu erfüllen, dann macht es genau so lange Sinn, wie Bücher nicht für jedermann erschwinglich sind und Bibliotheken nicht für jedermann erreichbar und/oder zugänglich. Spätestens das Internet aber hat Wissenstransfer sozial und global revolutioniert. Neben einer Menge anderer Dinge versteht sich – so können wir, dem aktuellem Smartphonetrend sei Dank, gerade die zunehmende, allumfängliche Verlagerung des Alltags ins Internet beobachten.
Es sei noch angedeutet, dass zwei sich antinomisch ergänzende Persönlichkeitsstrukturen oft eine instinktive Anziehung aufeinander ausüben, eine Faszination – denn nichts pflegt uns stärker zu faszinieren, als wenn ein anderer überzeugend das vorlebt, was wir selbst auch als Möglichkeit ins uns ahnen, aber vielleicht unterdrückt oder nicht zu leben gelernt haben bzw. nicht leben durften. Es scheint so zu sein, dass wir durch den jeweiligen Gegentyp zur “Ganzheit” kommen möchten, zu einer Vollständigkeit, die uns aus unseer individuellen Begrenztheit und Einseitigkeit befreien soll, was ja auch einen wesentlichen Teil der geschlechtlichen Faszination ausmacht.
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