Freiheit von heute kommt in einer dichtbesiedelten Welt ohne ein Gegenüber nicht aus: Das ist heute nicht nur der Andersdenkende, sondern auch der anderswo oder erst künftig lebende Mensch, den man ungefragt in den eigenen Stoffwechsel einbindet. Auch die andersartigen Lebewesen, die vom eigenen Lebensstil betroffen sind, gehören dazu.
In diesem Sinn ist eine Marktwirtschaft, die in ihren Bilanzen Natur einen Eigenwert und Umweltschäden eine hohen Preis zumisst und die nicht vom beständigen Wachstum des Materialverbrauchs abhängig ist, viel freier als das, was bei selbsternannten “Liberalen” unter freier “Marktwirtschaft” verstanden wird.
Ein in diesem Sinn freiheitsliebender Mensch muss heute wild entschlossen sein, so zu leben, dass er keine Spur der Zerstörung hinterläst und sein Geld dazu dient, technologisch mit den Ökosystemen der Natur zu wachsen statt gegen sie.
Neulich bin ich über Wikifolio gestolpert. Hat mich sehr an Smava erinnert. Von Privat – für Privat. Während es bei smava um Kredite ging, macht man auf wikifolio “Geschäfte” mit Aktien. Bei beiden Plattformen ist die Rolle der Bank auf ein sympathisches Minimum reduziert. Das Prinzip ist so simpel wie genial: Trader melden sich auf wikifolio an und stellen ihr Trading-Wissen der Allgemeinheit zur Verfügung. Eine Bank macht im Hintergrund die Trading-Empfehlungen handelbar, indem sie ein darauf basierendes Zertifikat publiziert, das jeder käuflich erwerben kann. An und für sich wie ein Aktien-Investmentfonds, mit dem Unterschied einer humaneren Gebührenstruktur, die sich neben der Transparenz vor allem darin von vergleichbaren Konstrukten im Angebot von Banken abhebt, dass sie zum größten Anteil performanceorientiert ist. Neben geringen Fixkosten für den initialen Erwerb – abhängig auch von den Ordergebühren der Bank, über die das Zertikat gekauft wird – gibt es eine dynamische Provision, die aber immer nur dann fällig wird, wenn ein ein Tagesgewinn von mehr als 5% erzielt wird. Kein Gewinn für den Anleger heisst keine Provision, bedeutet auch kein Geld für den Trader.
Man stelle sich vor, was bei den Banken und Maklern los wäre, müssten sie nach diesem Prinzip handeln!!
Tobe berichtete Anfang 2012 bereits über die wenig beachteten Moral-Fehltritte der Einkaufsplattform Amazon. Deutlich mehr Aufsehen erregte nun eine sorgsam recherchierte Reportage im gestrigen Spätabendprogramm der ARD. Die Reporter hatten sich auf das Arbeitslager der Zwangsarbeiter in Bad Hersfeld eingemietet. Oh, was habe ich gesagt? Natürlich meine ich das Wohnlager der Leiharbeiter. Glaubt man den Äußerungen derjenigen, die die Doku gesehen haben, besteht jedoch akute Verwechslungsgefahr, vor allem wenn man erst mittendrin reinschaltet… Rundfunkgebühr Mediathek sei Dank werde ich mir heut abend mein eigenes Bild machen: Klick!
Es gibt einen Kult des schnellen Jetzt, um den massiven Verbrauch von Erdöl, Rohstoffen und Natur zu legitimieren. Die Vorstellung, das Leben und Wirtschaften auf einen Zeitraum von zwanzig oder sogar hundert Jahren anzulegen, erscheint in der Logik ihrer eigenen Krisen vermessen. Wenn eine Weltwirtschaftskrise so abrupt kommen kann wie die von 2008, wie sollte man dann Klimaforschern Glauben schenken, die behaupten das Jahr 2050 vorauszuberechnen? [...]
So langsam bekomme auch ich Respekt vor ihm. Zweifelsohne, seine Signatur war, ist und bleibt unverkennbar: Quentin Tarantino, ein Mann – ein Mythos. Wenngleich ich mit den meisten seiner “alten” Filme nicht wirklich etwas anfangen konnte. Für mich macht einen guten Film aus, wenn er eine Aussage hat. Ein Fazit… eine Moral… von der Geschichte und aus der Geschichte heraus, die er erzählt. Bei Tarantinos Filmen dagegen hatte ich immer den Eindruck, sie lebten mehr von den Protagonisten als der Handlung. Es sind Charakterstudien, nicht selten ins Tragischkomische verzerrte Existenzbeschreibungen. Der Mensch wie er mit dem Leben hadert, und den Geschichten, die es zu erzählen weiss… Geschichten, die freilich nicht immer spannend sind. Spannend oder amüsant wird es, wenn Tarantino seine Marionetten des Authentizismus tanzen lässt. Die Erkenntnis darüber, was er genau sagen will, bleibt nicht selten nur den fanatischsten Anhängern vorbehalten. Und nur zu gern führt man Diskussionen darüber, ob die Menschen wirklich so sind, oder zumindest sein könnten, wie Quentin sie portraitiert. Normale Menschen in außergewöhnlichen Situationen. Oder außergewöhnliche Menschen in ganz normalen Situationen.
Ihr nennt es Demokratie. Habt das Gefühl ihr habt Einfluss auf irgendwas. Dabei geht ihr nicht mal wählen. Wen wundert, dass niemand mehr repräsentiert. Außer sich selbst. Niemand will repräsentiert werden. Mittlerweile reicht es, sich selbst zu repräsentieren. In uferloser Bedürfnisbefriedigung durch Konsum. Charakterlose Politik mit profillosen Parteien sind das Resultat. Ich bin satt von so wenig Einfluss. Demokratie als “ein politisches System, bei dem das Volk eine wesentliche mitbestimmende Funktion einnimmt”, erfordert Mündigkeit und Wissen. Ihr glaubt zu wissen, ohne zu wissen, dass ihr nur glaubt. Sicherer ist, nichts zu glauben. Mit den Worten von Kurt Tucholsky: Ich glaube jedem, der die Wahrheit sucht. Ich glaube keinem, der sie gefunden hat.
Es scheint also zwei Wege zu geben, beim Konsum glücklich zu sein: ihn ständig höherzuschrauben oder uns bewusst zu werden, dass wir genug haben. Das Einzige, woran bei uns wirklich ein Mangel besteht, ist der Mangel selbst.
Wenn Ökonomie ihr Ziel verliert, bleibt uns nur noch eins: Wachstum – ein Wachstum, das nichts kennt als sich selbst, da es kein Ziel als Maßstab hat. So ein Wachstum ist durch ein Gefühl der Ziellosigkeit mit Sinnlosigkeit und Heimatlosigkeit verbunden. Auf ein Ziel zuzulaufen ist etwas anderes, als um des Laufens willen zu laufen. Wenn wir um des Laufens selbst willen laufen, laufen wir im Kreis, und dagegen ist nichts einzuwenden; wir dürfen uns dann allerdings nicht wundern, dass wir “nirgendwo hingelaufen” sind.
~ aus “Die Ökonomie von Gut und Böse” von Tomas Sedlacek
Das Sabbatgebot vermittelt die Botschaft, dass der Zweck der Schöpfung nicht einfach nur das Erschaffen war, sondern dass sie ein Ziel hatte. Der Prozess war schlicht ein Prozess, kein Zweck. Die Schöpfung erfolgte, damit wir in ihr Ruhe finden können, Stolz auf das Volbrachte, Freude. Der Sinn alles Erschaffenen, der Höhepunkt, liegt nicht in der nächsten Schöpfung sondern darin, dass wir uns inmitten von all dem, was wir miterschaffen haben, ausruhen. In die Sprache der Ökonomie übersetzt heißt das: Der Sinn des Nutzens ist nicht, ihn ständig zu vergrößern, sondern sich zwischen den vorhandenen Gewinnen auszuruhen.
Die Rechner vor dem derjenige sitzt, der die Beiträge verfasst, die in dieses Weblog eingespeist werden, das mit jedem Beitrag stets bemüht ist, den Zweifel zu wecken und das “Wissen” zu mehren, sind “proudly powered by” Naturstrom:
Fragen heißt weiter kommen. Wer glaubt alles zu wissen, was er wissen muss, steht still. Und dennoch: wieviele wandeln tagtäglich in der Illusion von Fortschritt – bemerken nicht einmal ihren Stillstand – nein, würden ihn gar abstreiten, wenn man sie drauf anspräche. Sie bewegen sich schließlich, wenn auch im Kreis und das auch noch ohne, dass ihnen schlecht wird. Schlecht wird eher denen, die dabei zusehen. Leider geil? Keineswegs. Eher alles dreht sich… Gefahr erkannt – aber Gefahr gebannt? Noch lange nicht. Ein weiter Weg liegt vor uns. Vor allen. Den Wissenden wie den Unwissenden. Und wäre es nicht Auftrag der Wissenden, sich selbst und die Unwissenden vorm Untergang zu bewahren?
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