Musiker sein, das ist schon ein hartes Los heutzutage… fast so schwer wie Anwalt. Gibt’s ja schließlich beides zuhauf, das eine unliebsamer als das andere. Doppelt schlimm wird’s wenn die beiden im Suff dann auch noch zusammenfinden um ihre hochtrabenden Geistesblitze in einem perfiden Joint-Venture zu kanalisieren. Das Ergebnis darf man dann aus geschätzten 30 Millionen Briefkästen Deutschlands rauspuhlen: Abmahnungen vom Fließband. Schade nur, dass Abmahnfabriken nicht einmal wirklich Arbeitsplätze schaffen, sonst gäbe es wenigstens noch eine gute Seite an der Geschichte.
Der Globalisierung hatten wir es damals zu verdanken, dass wir den Qualitätsausweis “Made in Germany” still und heimlich von unseren Produkten und Verpackungen verbannen durften. Um im Wettlauf des Wettbewerbs bestehen zu können, wurde “Outsourcing nach Fernost” zum neuen Credo erklärt - zur Senkung der Kosten und Erhaltung der Marktfähigkeit.
Wieder ist ein Jahr zu Ende gegangen. Und wieder einmal mehr als sonst habe ich mich gefragt: was feiern die Menschen hier eigentlich genau, während sie sich im trauten Kreise von Freunden oder Familie gediegen die Kante geben, die finalen Minuten zum neuen Jahr hinunterzählen um sich in der letzten davon nahezu panisch auf die Suche nach einem Zeitmesser zu machen, der auch ja atomuhrgeeicht den perfekt synchronisierten Übergang ermöglicht?!
Ganz sicher hätte Schlecker meinen smobil-UMTS-Stick in einem Briefumschlag verschicken können. Aber warum sparsam, wenn’s auch verschwenderisch geht:
In Schleswig Holstein setzt ein eifriger Politiker zur Abwechslung mal seine Worte in die Tat um: Der Landesdatenschutzbeauftragte Thilo Weichert sorgt dafür, dass Unternehmen, die den Likebutton von Facebook integrieren Abmahnungen erhalten. Schon ist das Geschrei groß: Staatlicher Eingriff in die freie Marktwirtschaft! Bevormundung des Bürgers! Die Demokratie in Gefahr! Ich weiß gar nicht, was diese Echauffiererei soll.
Vielleicht fängt man einfach mal an, die richtigen Fragen zu stellen. Warum es z.B. keinen anderen Weg gibt, die Facebook-Skripte, die für den Like-Button benötigt werden, in ihrer “amerikanischen” Form zu verbieten. Und warum der Einsatz der Skripte im heutigen Zustand diktatorischer ist als ihr Verbot.
Uns geht es doch noch gut. So gut, dass wir über das Elend noch lachen können. Überhaupt ist Elend nur solange lustig, wie es nicht uns selber betrifft. Das ist das Traurige daran.
Das Wissen zu haben ist das Eine. Aber die Seite gewählt haben wir damit noch lange nicht. Teil der Lösung oder Teil des Problems? Volker Pispers vergleicht das mit einem Zug. Wir alle sitzen drin. Und wir - zumindest die wissenden Insider unter uns, die verschwörerisch aber im Alleinsein über systemübergreifende Umstürze phantasieren - sind uns bewusst, dass wir auf einen Abgrund zurasen. Alle Jahre mal tauschen wir den Zugführer aus… aber der ist ja auch nur da um den Zug zu führen… auf seinem festgeschriebenen Weg.
Wir könnten ihn anhalten den Zug, aber was tun wir? Der Abgrund kommt näher. In Amerika suchen nun die ersten die Bremse: Occupy Wall Street!
Sorry, nehmt’s bitte nicht persönlich… aber das muss auch mal gesagt werden, weil ihr mir manchmal einfach alle nur tierisch… ach egal:
Heute abend geschaut: Capitalism - A Love Story. Ohne viele Worte: Michael ist der Beste. Oder kennt ihr sonst noch jemanden, der auf die Idee käme, die größte Bank Amerikas der Welt mit “Crime Scene”-Band zu umwickeln und seine Mitarbeiter aufzufordern, das Gebäude mit erhobenen Händen zu verlassen:
Überall wird gejammert, wie schlimm und überhaupt. Berechtigt. Aber sind wir es nicht selber schuld? Aus der Ferne und von oben betrachtet sieht es so aus, als ob das Immunsystem der Natur beginnt, gegen das Virus Mensch vorzugehen: Vorher-Nachherbilder aus dem All über der Japanküste
Auch dieses Mal kann ich nur beeindruckt den Hut ziehen. David & Götz haben am vergangenen Freitag wieder eine Show hingelegt, die ihresgleichen sucht. Was die beiden an zwei Flügeln zaubern, Götz mit der gewohnten, stillen Souveränität und David - diesmal ohne gesundheitliche Einschränkungen - als quasikabarettistischer Programmmoderator, macht Spaß, weil es sich technisch auf höchstem Niveau und doch gleichzeitig zugänglich weil publikumsnah abspielt.
Erneut wurden wir mitgenommen auf eine kleine Reise durch die Musikgeschichte. Und bei der Frische und Vitalität, mit der die Show aufgezogen war, tat ich mir schwer, Überschneidungen zum letzten Programm der Showpianisten hier in Langenfeld im Jahre 2009 aufzutun.
Was auch nicht weiter schlimm gewesen wäre, da sich die Zuschauerschaft im Vergleich bestimmt verdreifacht hatte. Für einen Moment war mir sogar so, als habe unter den vielen neuen Gesichtern auch zugleich der Anteil jüngerer Menschen zugenommen.

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